Windpocken (Varizellen)

Empfohlene Impfungen nach der Ständigen Impfkommission (STIKO) 2016

Windpocken (Varizellen, Wasserpocken)

Erkrankung

Windpocken-Infektionen kommen weltweit vor. Windpocken sind eine hochansteckende, akute Infektionskrankheit, die vor allem Kinder betrifft.
Die Ursache der Windpocken-Erkrankung ist ein Virus, welches über Tröpfchen von Mensch zu Mensch übertragen wird. Die Erkrankung verläuft in der Regel mit Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen, und einem typischen, juckenden Hautausschlag mit wasserklaren Bläschen.
Komplikationen wie Hirnentzündungen und Lungenentzündungen sind möglich. Bei Erwachsenen verläuft die Windpocken-Erkrankung in der Regel schwerer, ggf. mit Gelenksentzündungen und Entzündungen des Gehirns, der Lunge und der Leber.
Gefährlich sind die Windpocken in der Schwangerschaft, weil sie zu Fehlbildungen des Kindes, Fehl- oder Totgeburten führen können.
Nach der Erkrankung verbleiben die Windpockenviren in den Ganglien („Nervenzellknoten“) im Rückenmark und Gehirn, und können ggf. wieder reaktiviert werden, was zur Gürtelrose (= Herpes zoster) führt.

Der beste und sicherste Schutz gegen Windpocken ist die Impfung.

Erreger

Windpockenvirus (Varizella-Zoster-Virus)

Der Mensch ist das einzige bekannte Reservoir des Windpockenvirus. Ein tierisches Reservoir ist nicht bekannt.

Die Übertragung des Windpocken-Virus ist nur von infizierten Menschen oder von kontaminierten Gegenständen möglich. Eine direkte Ansteckung von Mensch zu Mensch ist bei Windpocken äußerst leicht über Tröpfchen, nicht nur beim Niesen, Husten oder Küssen, sondern auch bei wenigen Metern Abstand, möglich.

Vorkommen

Die Windpocken kommen weltweit vor. Im Jahr 2014 wurden über 22.000 Windpocken-Erkrankungen in Deutschland registriert. Man vermutet, dass weltweit über 7.000 Todesfälle pro Jahr durch Windpocken verursacht werden.

Beschwerden

Die Dauer vom Zeitpunkt der Infektion bis zum erstmaligen Auftreten von Symptomen beträgt bei den Windpocken in der Regel 10 bis 21 Tage. Eine Windpocken-Infektion ist eine hochansteckende, akute Infektionskrankheit, die vor allem Säuglinge und Kinder im Alter bis ca. 4 Jahren betrifft.

Symptome:

- Die Erkrankung verläuft in der Regel mit Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen, und einem typischen, juckenden Hautausschlag mit wasserklaren Bläschen.
- Komplikationen wie Hirnentzündungen und Lungenentzündungen sind möglich.
- Bei Erwachsenen verläuft die Windpocken-Erkrankung in der Regel schwerer, ggf. mit Gelenksentzündungen und Entzündungen des Gehirns, der Lunge und der Leber.

Gefährlich kann die Varizellen-Erkrankung in der Schwangerschaft sein, weil sie zu Fehlbildungen des Kindes (z.B. Hautdefekten, Schädigungen des Gehirns und Rückenmarks, Lähmungen), Fehl- oder Totgeburten führen kann. Nach der Erkrankung verbleiben die Windpockenviren in den Ganglien („Nervenzellknoten“) im Rückenmark und Gehirn, und können ggf. wieder reaktiviert werden, was zur Gürtelrose (= Herpes zoster) führt. 

Eine Windpocken-Infektion ist eine akute Erkrankung. Bei Windpocken-Infektionen gibt es keine chronischen Verläufe. Die überstandene Erkrankung hinterlässt eine lebenslange Immunität gegen Windpocken. Durch Reaktivierung der Windpockenviren in den Ganglien („Nervenzellknoten“) im Rückenmark und Gehirn kommt es zum klinischen Bild der Gürtelrose (= Herpes zoster).

Im Gegensatz zu den Windpocken, an der man nur einmal im Leben erkrankt, kann man an der Gürtelrose mehrmals erkranken.

Patienten mit einer Windpocken-Erkrankung haben in der Regel eine sehr gute Prognose. Ausnahme: Windpocken während der Schwangerschaft.

Medizinische Versorgung

Die Verdachtsdiagnose „Windpocken“ kann wegen des typischen klinischen Verlaufs klinisch gestellt werden. Die spezifische Diagnostik gelingt durch Antikörper-Tests und Tests zum Nachweis der Erbsubstanz (DNA) des Windpockenvirus.
Bei Windpocken gibt es keine grundsätzliche Therapie. Die beste Prophylaxe gegen Windpocken-Erkrankungen ist die Impfung.

Impfung

Seit 1976 gibt es Impfstoffe gegen Windpocken. In Deutschland sind zurzeit (Mai 2016) folgende Impfstoffe gegen Windpocken erhältlich:
- Zwei verschiedene Monokomponentenimpfstoffe (Einzelimpfstoffe)
- Zwei verschiedene Kombinationsimpfstoffe gegen Mumps, Masern, Röteln und Windpocken

Alle Windpocken-Impfstoffe sind Lebendimpfstoffe. 

Die Impfung gegen Windpocken ist in Deutschland eine Standardimpfung, die allen Menschen im Alter von elf Monaten bis 17 Jahren empfohlen wird. Die Grundimmunisierung besteht aus zwei Impfungen im Alter von
- 11-14 Monaten
- 15-23 Monaten

Eine Auffrischimpfung gegen Windpocken gibt es nicht. Wurde die Grundimmunisierung nicht rechtzeitig verabreicht, können die zwei Nachholimpfungen bis zum Alter von 17 Jahren durchgeführt werden.

Im Erwachsenenalter ab 18 Jahren stellt die Windpockenimpfung keine Standardimpfung dar.
Für folgende Personen stellt die Impfung gegen Windpocken eine Indikationsimpfung dar:

- Seronegative Frauen mit Kinderwunsch
- Seronegative Patienten vor geplanter immunsuppressiver Therapie oder Organtransplantation
- Empfängliche Patienten mit schwerer Neurodermitis
- Empfängliche Personen mit engem Kontakt zu den beiden zuvor Genannten

Für folgende Personen stellt die Impfung gegen Windpocken eine Impfung auf Grund eines erhöhten beruflichen Risikos dar:
- Seronegative Personen im Gesundheitsdienst sowie bei Neueinstellungen in Gemeinschaftseinrichtungen für das Vorschulalter

Wurde die Grundimmunisierung nicht rechtzeitig verabreicht, können die 2 Nachholimpfungen bei Mädchen und Jungen im Alter bis 17 Jahren und bei seronegativen Frauen mit Kinderwunsch durchgeführt werden.

In Deutschland gibt es keine allgemeine Impfpflicht. Derzeit (Mai 2016) verlangt kein Land bei der Einreise explizit die Windpocken-Impfung.

Die Windpocken-Impfung ist bei Schwangeren „absolut kontraindiziert“ und darf während der Schwangerschaft nicht verabreicht werden.

 

Verfasser und Kontakt

Privatdozent Dr.med. Karl-Heinz Herbinger, Facharzt für Arbeitsmedizin, Tropenmedizin.
E-Mail: herbinger@lrz.uni-muenchen.de

Stand:
31.Mai 2016