Tetanus

Empfohlene Impfungen nach der Ständigen Impfkommission (STIKO) 2016

Tetanus (Wundstarrkrampf)

Erkrankung

Tetanus kommt weltweit vor; am häufigsten in den tropischen und suptropischen Ländern Afrikas und Asiens. Es ist eine lebensgefährliche und hochakute Erkrankung, dessen Ursache ein Gift ist, welches durch das Bakterium Clostridium tetani produziert wird. Die Sporen dieses Bakteriums sind überall im Erdreich zu finden uns können durch Verletzungen in den Körper gelangen.

Der typische Verlauf dieser Krankheit geht bei einem infizierten Menschen mit einer extrem angespannten Muskulatur, vor allem an Kopf und Rumpf, mit Krämpfen und mit starker Atemnot einher.

Der beste Schutz gegen Tetanus ist die Impfung.

Erreger

Bakterium Clostridium tetani.

Die Sporen dieses Bakteriums sind praktisch überall im Erdreich zu finden. Clostridium tetani selbst kommt in den Fäzes von Pferden, Rindern, Kamelen und anderen Huftieren vor.
Das Bakterium kann durch Verletzungen in den Körper gelangen und vermehrt sich dann an der Eintrittsstelle unter der Haut, sofern „luftfreie“ Bedingungen bestehen („gedeckte Wunde“). Der typische Infektionsweg sind Stichverletzungen, zum Beispiel Stiche durch Dornen oder Holzsplitter. Durch dieses Bakterium wird ein Gifte produziert, welche knapp 1 cm pro Stunde an den Nerven entlang wandern, bis sie das Rückenmark erreichen. Dort lösen die Gifte beim Patienten eine extrem angespannte Muskulatur und Krämpfe aus.
Eine direkte Ansteckung von Mensch zu Mensch ist bei Tetanus nicht bekannt.

Vorkommen

Tetanus kommt weltweit vor; am häufigsten in den tropischen und subtropischen Ländern Afrikas und Asiens.
In Deutschland kommt Tetanus allerdings nur sehr selten vor: Es gibt unter 10 Fälle pro Jahr (dank der in der Regel guten „Durchimpfung“).

Man schätzt, dass über 130.000 Menschen pro Jahr an Tetanus versterben, vor allem in Afrika und Asien.

Beschwerden

Die Dauer vom Zeitpunkt der Infektion bis zum erstmaligen Erscheinen von Symptomen kann stark variieren. Die Inkubationszeit beträgt meist 4 Tage bis 3 Wochen, wobei diese auch wenige Stunden bis mehrere Monate dauern kann.

Symptome:

Das Bakterium vermehrt sich an der Eintrittsstelle (z.B. nach einer Stichverletzung) unter der Haut, sofern „luftfreie“ Bedingungen bestehen („gedeckte Wunde“). Es produziert Gifte, die knapp 1 cm pro Stunde an den Nerven entlang „wandern“, bis sie das Rückenmark erreichen. Dort lösen die Gifte beim Patienten eine extrem angespannte Muskulatur und Krämpfe aus.

Die generalisierte Form des Tetanus geht mit einer erhöhten Spannung der Muskulatur an Kopf und Rumpf einher:
- Angespannte Muskulatur, vor allem im Gesicht („fixiertes Lächeln“)
- Kieferklemme (Mund kann nicht geöffnet werden)
- Schluckbeschwerden
- Krämpfe
- Starke Rückwärtsbeugung des Rumpfes
- Teilweise lebensgefährliche Atembeschwerden

Die sehr seltene lokale Form des Tetanus geht bei teilimmunen Menschen mit einer erhöhten Spannung der Muskeln an der Eintrittspforte einher.

Tetanus kann auch bei Neugeborenen von nicht-geimpften Müttern vorkommen, meist bedingt durch eine Verschmutzung durch Erdreich oder Tierfäzes der noch nicht verheilten Nabelwunde (meist in Afrika und Asien).

Tetanus ist eine hochakute Erkrankung. Bei Tetanus gibt es keine chronischen Verläufe. Die generalisierte Form kann trotz intensiver Therapie bis in ca. 20% der Fälle tödlich verlaufen. Die lokale Form hat eine sehr gute Prognose, Die Tetanus-Erkrankung bei Neugeborenen verläuft jedoch meist tödlich.

Medizinische Versorgung

Die Verdachtsdiagnose „Tetanus“ kann aufgrund der typischen Symptome in der Regel klinisch gestellt werden. Die Gabe von Tetanus-Immunglobulin dient der Bindung der Gifte, die Gabe von Antibiotika zur Bekämpfung des Tetanus-Erregers. Häufig ist eine intensivmedizinische Behandlung mit künstlicher Beatmung notwendig. Die beste Prophylaxe gegen Tetanus ist die Impfung.

Impfung

Seit 1926 gibt es Impfstoffe gegen Tetanus.

In Deutschland gibt es zurzeit (Mai 2016) folgende Impfstoffe:
- 4 verschiedene Monokomponentenimpfstoffe (Einzelimpfstoffe)
- 10 verschiedene Kombinationsimpfstoffe für Kinder
- 11 verschiedene Kombinationsimpfstoffe für Erwachsene

Alle Tetanus-Impfstoffe sind Totimpfstoffe.

Die Impfung gegen Tetanus ist in Deutschland eine Standardimpfung, die allen Menschen im Alter ab zwei Monaten empfohlen wird.

Die Grundimmunisierung besteht aus vier Impfungen im Alter von
- zwei Monaten
- drei Monaten
- vier Monaten
- 11 bis 14 Monaten

Die erste Auffrischimpfung erfolgt im Alter von fünf bis sechs Jahren. Die zweite Auffrischimpfung erfolgt im Alter von neun bis 17 Jahren. Bei Erwachsenen (ab 18 Jahren) erfolgen die Auffrischimpfungen gegen Tetanus alle zehn Jahre.
Die erste Auffrischimpfung sollte mit einer Tetanus-Diphtherie-Keuchhusten-Kombinationsimpfung, gegebenenfalls mit einer Tetanus-Diphtherie-Keuchhusten-Poliomyelitis-Kombinationsimpfung erfolgen.
Alle weiteren Auffrischimpfungen können alle zehn Jahre mit einer Tetanus-Diphtherie-Kombinationsimpfung oder auch mit einer Tetanus-Diphtherie-Poliomyelitis-Kombinationsimpfung erfolgen.

Alle Personen mit fehlender oder unvollständiger Grundimmunisierung sollten Nachholimpfungen erhalten. Die Nachholimpfungen gegen Tetanus können jederzeit durchgeführt werden. Bei regelhaft erfolgter Grundimmunisierung ist eine erneute Grundimmunisierung gegen Tetanus nicht notwendig, auch wenn diese seit Jahrzenten zurückliegt. Eine einmalige Auffrischimpfung ist hierbei ausreichend.

In Deutschland gibt es keine allgemeine Impfpflicht. Derzeit (Mai 2016) verlangt kein Land bei der Einreise explizit die Tetanus-Impfung. Vor jeder geplanten Impfung bei Schwangeren hat eine genaue Risiko-Nutzen-Abwägung zu erfolgen. Eine Tetanus-Impfung bei einer Schwangeren gilt als „eher unbedenklich“.

 

Verfasser und Kontakt

Privatdozent Dr.med. Karl-Heinz Herbinger, Facharzt für Arbeitsmedizin, Tropenmedizin.
E-Mail: herbinger@lrz.uni-muenchen.de

Stand:
31.Mai 2016