Pneumokokken

Empfohlene Impfungen nach der Ständigen Impfkommission (STIKO) 2016

Pneumokokken-Infektion

Erkrankung

Pneumokokken-Infektionen kommen weltweit vor; am häufigsten in den tropischen und subtropischen Ländern Afrikas und Asiens.
Diese Infektionen können sehr unterschiedliche, teilweise auch lebensbedrohliche Verläufe nehmen, insbesondere bei Säuglingen, Kleinkindern, älteren Personen und Personen mit chronischen Krankheiten. Pneumokokken-Infektionen können verschiedene Krankheiten verursachen. Die durch Pneumokokken verursachte Lungenentzündung geht meist mit plötzlich hohem Fieber, Husten und eitrigem Auswurf einher. Sie kann vor allem für ältere Menschen lebensgefährlich sein.
Die durch Pneumokokken verursachte Hirnhautentzündung geht meist mit hohem Fieber, Erbrechen, Kopfschmerzen und ggf. Bewusstlosigkeit einher. Sie kann vor allem für Säuglinge lebensgefährlich sein.
Des Weiteren können Pneumokokken Entzündungen in der Bindehaut, des Mittelohrs und der Nasennebenhöhlen hervorrufen.
Der beste und sicherste Schutz gegen Pneumokokken Infektionen ist die Impfung.

Erreger

Bakterium: Streptococcus pneumoniae oder Pneumokokken

Es sind über 90 verschiedene sogenannte Serotypen dieser Erreger bekannt, die sehr unterschiedliche Krankheitsverläufe bei infizierten Menschen hervorrufen können. Die natürliche Besiedlung der Nasen- und Rachenschleimhaut mit Pneumokokken ist häufig bei Säuglingen, Kleinkindern und älteren Menschen nachzuweisen.
Die Übertragung der Pneumokokken ist leicht von infizierten Menschen oder von kontaminierten Gegenständen möglich. Eine direkte Ansteckung von Mensch zu Mensch ist bei Pneumokokken leicht über Tröpfchen, z.B. durch Niesen, Husten oder Küssen, möglich.

Vorkommen

Pneumokokken-Infektionen kommen weltweit vor; am häufigsten in den tropischen und subtropischen Ländern Afrikas und Asiens.
Trotz der Verfügbarkeit eines Impfstoffes gegen Pneumokokken gibt es ca. 5.000 bis 10.000 Todesfälle, insbesondere bei älteren Menschen, pro Jahr in Deutschland.
Man schätzt, dass ca. 1 Million Menschen, insbesondere Kinder unter 5 Jahren, an Pneumokokken-Lungenentzündungen versterben, vor allem in Afrika.
Darüber hinaus sterben mutmaßlich weitere 180.000 Menschen, auch hier insbesondere Kinder unter 5 Jahren, an Pneumokokken-Hirnhautentzündungen, vor allem in Afrika.

Beschwerden

Die Dauer vom Zeitpunkt der Infektion bis zum erstmaligen Auftreten von Symptomen kann bei verschiedenen Pneumokokken-Serotypen stark variieren. Von wenigen Stunden bis mehreren Monaten, da der Ausbruch der Erkrankung auch von Begleiterkrankungen, vom Immunsystem der infizierten Person und vielen anderen Faktoren abhängt.

Symptome:

Die natürliche Besiedlung der Nasen- und Rachenschleimhaut mit Pneumokokken verursacht in der Regel keine oder nur milde Beschwerden.

Pneumokokken-Infektionen können sehr unterschiedliche Verläufe nehmen: Von beschwerdefrei bis lebensbedrohlich. Insbesondere Säuglinge, Kleinkinder, ältere Personen und Personen mit chronischen Krankheiten haben ein höheres Risiko für lebensbedrohliche Verläufe.

Pneumokokken-Infektionen können verschiedene Krankheiten verursachen.
- Die durch Pneumokokken verursachte Lungenentzündung geht meist mit plötzlich hohem Fieber, Husten und eitrigem Auswurf einher. Sie kann vor allem für ältere Menschen lebensgefährlich sein.
- Selten, aber maximal lebensbedrohlich ist die durch Pneumokokken verursachte Sepsis (Blutvergiftung), der in der Regel einer Lungenentzündung vorausgeht.
- Die durch Pneumokokken verursachte Hirnhautentzündung geht meist mit hohem Fieber, Erbrechen, Kopfschmerzen und ggf. Bewusstlosigkeit einher. Sie kann vor allem für Säuglinge lebensgefährlich sein.
- Des Weiteren können Pneumokokken Entzündungen der Bindehaut, des Mittelohrs und der Nasennebenhöhlen hervorrufen.

Die Pneumokokken-Erkrankung verläuft in der Regel akut. Bei der Erkrankung gibt es keine chronischen Verläufe.

Die durch Pneumokokken hervorgerufenen Lungenentzündungen, Hirnhautentzündungen und Blutvergiftungen sind lebensbedrohliche Verlaufsformen, insbesondere bei Säuglingen, Kleinkindern, älteren Personen und Personen mit chronischen Krankheiten. Lokale Verlaufsformen mit Mittelohrentzündung oder Nasennebenhöhlenentzündung haben eine sehr gute Prognose.

Medizinische Versorgung

Die Verdachtsdiagnose „Pneumokokken-Infektion“ erfolgt in der Regel durch den Nachweis des Bakteriums (Mikroskop oder Kultur) nach entsprechender Probeentnahme (z.B. Abstriche aus dem Nasen-Rachenraum, Auswurf, Liquor).
Die Gabe von Antibiotika dient der Bekämpfung der Pneumokokken. Bei schweren Verläufen mit Lungenentzündung, Hirnhautentzündung oder Sepsis (Blutvergiftung) kann eine intensivmedizinische Behandlung, eventuell mit künstlicher Beatmung, notwendig werden.
Die beste Prophylaxe gegen Pneumokokken-Erkrankungen ist die Impfung.

Impfung

Seit 1977 gibt es Impfstoffe gegen Pneumokokken. In Deutschland sind zurzeit (Mai 2016) folgende Impfstoffe gegen Pneumokokken erhältlich:
- vier verschiedene Monokomponentenimpfstoffe (Einzelimpfstoffe), die Antigene von Pneumokokken-Serotypen in unterschiedlicher Anzahl enthalten

Alle Pneumokokken-Impfstoffe sind Totimpfstoffe.
Die Impfung gegen Pneumokokken ist in Deutschland eine Standardimpfung für Säuglinge ab zwei Monaten und Kleinkindern bis 23 Monaten, sowie für Menschen ab 60 Jahren. Die Grundimmunisierung besteht aus drei Impfungen im Alter von:
- zwei Monaten
- vier Monaten
- 11 bis 14 Monaten

Nach regelrecht erfolgter Grundimmunisierung ist eine Auffrischimpfung gegen Pneumokokken nicht erforderlich. Des Weiteren ist bei gesunden Erwachsenen unter 60 Jahren in der Regel keine Impfung gegen Pneumokokken erforderlich.

Für Personen mit erhöhter gesundheitlicher Gefährdung stellt die Impfung gegen Pneumokokken eine Indikationsimpfung dar:
- Angeborene und erworbene Immundefekte bzw. Immunsuppression
- Chronische Krankheiten, wie z.B. chronische Erkrankungen des Herzens, der Atmungsorgane, der Leber oder der Niere, Stoffwechselkrankheiten, neurologische Krankheiten
- Anatomische und Fremdkörper-assoziierte Risiken für Pneumokokken-Hirnhautentzündung, z.B. Liquorfistel oder Implantat der Cochlea (Hörschnecke)

Bei nicht regelrecht erfolgter Grundimmunisierung gegen Pneumokokken sollte diese bei Kindern im Alter bis 23 Monaten noch nachgeholt werden.

In Deutschland gibt es keine allgemeine Impfpflicht. Derzeit (Mai 2016) verlangt kein Land bei der Einreise explizit die Pneumokokken-Infektion-Impfung.
Generell sollte vor jeder geplanten Impfung bei Schwangeren eine genaue Risiko-Nutzen-Abwägung erfolgen. Wegen fehlender Erfahrungen ist die Pneumokokken-Impfung bei einer Schwangeren „relativ kontraindiziert“.

Verfasser und Kontakt

Privatdozent Dr.med. Karl-Heinz Herbinger, Facharzt für Arbeitsmedizin, Tropenmedizin.
E-Mail: herbinger@lrz.uni-muenchen.de

Stand:
31.Mai 2016