Meningokokken

Empfohlene Impfungen nach der Ständigen Impfkommission (STIKO) 2016

Meningokokken-Infektion

Erkrankung

Meningokokken kommen weltweit vor; am häufigsten in den tropischen und subtropischen Ländern in Afrika (insbesondere Sahel-Zone) und in Asien.
Meningokokken besiedeln bei ca. 10% der Menschen den Nasen-Rachen-Raum, ohne Beschwerden zu verursachen und können leicht über Tröpfchen von Mensch zu Mensch übertragen werden. Meningokokken können in seltenen Fällen bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem eine lebensbedrohliche Hirnhautentzündung (Meningitis) und eine Blutvergiftung (Sepsis) hervorrufen.
Meningokokken-Infektionen kommen häufiger bei Säuglingen, Kleinkindern und Menschen im Alter von 15-24 Jahren vor.

Der beste und sicherste Schutz gegen Meningokokken ist die Impfung.

Erreger

Bakterium: Neisseria meningitidis = Meningokokken

Meningokokken werden in 13 verschiedene Serogruppen eingeteilt, wobei nur 6 für den Menschen klinisch relevant sind: A, B, C, W-135, Y, X. Der Mensch ist das einzige bekannte Reservoir der Meningokokken. Ein tierisches Reservoir ist bei Meningokokken nicht bekannt.
Die Übertragung der Meningokokken geht in der Regel von infizierten Menschen aus. Eine direkte Ansteckung von Mensch zu Mensch ist bei Meningokokken leicht über Tröpfchen, z.B. durch Niesen, Husten oder Küssen, möglich.

Vorkommen

Meningokokken kommen weltweit vor; am häufigsten in den tropischen und subtropischen Ländern in Afrika (insbesondere Sahel-Zone) und in Asien.
In Deutschland werden ca. 300 Fälle pro Jahr registriert, wobei es sich fast ausschließlich um Infektionen mit den Serogruppen B und C handelt. Meningokokken-Infektionen kommen häufig bei Säuglingen, Kleinkindern und Menschen im Alter von 15-24 Jahren vor. Man schätzt, dass ca. 75.000 Menschen pro Jahr an Meningokokken-Erkrankungen versterben, vor allem Kinder in der Sahel-Zone in Afrika.

Beschwerden

Die Dauer vom Zeitpunkt der Infektion bis zum erstmaligen Auftreten von Symptomen beträgt in der Regel zwei bis fünf Tage.

Symptome:

- Meningokokken besiedeln bei vielen Menschen den Nasen-Rachen-Raum, ohne Beschwerden zu verursachen.
- Die Erkrankungen, die von Meningokokken verursacht werden, können sehr unterschiedliche Verläufe annehmen: Von leichter „grippaler“ Symptomatik bis zu hochakuten lebensgefährlichen Verläufen.
- Die Meningokokken können in seltenen Fällen bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem eine lebensbedrohliche Hirnhautentzündung (Meningitis) und eine Blutvergiftung (Sepsis) hervorrufen.
- Die Hirnhautentzündung beginnt mit hohem Fieber, Schüttelfrost, Erbrechen, Gelenk- und Muskelschmerzen, Krämpfen, Bewusstseinsstörungen und Nackensteifigkeit.
- Bei schweren, lebensbedrohlichen Verläufen kommt es zu punkförmigen Hautblutungen und zur Verteilung des Bakteriums im Blut (Blutvergiftung).

Meningokokken-Erkrankungen können mild bis hoch akut verlaufen. Bei Meningokokken-Erkrankungen gibt es keine chronischen Verläufe.

Die durch Meningokokken verursachten Erkrankungen haben je nach Ausprägung sehr unterschiedliche Prognosen. Die Meningokokken-Blutvergiftung ist eine hoch akute Erkrankung mit einer extrem schlechten Prognose.

Medizinische Versorgung

Bei fulminant verlaufenden Meningokokken-Erkrankungen kann die Verdachtsdiagnose aufgrund der typischen Symptome klinisch gestellt werden. Nach Abnahme von Blut und Liquor können Kulturen angelegt oder Tests zum Nachweis der Erbsubstanz (DNA) der Meningokokken durchgeführt werden.
Die Gabe von Antibiotika dient der Bekämpfung der Meningokokken. Bei hoch akuten Verläufen ist ggf. eine intensivmedizinische Behandlung mit künstlicher Beatmung notwendig. 
Die beste Prophylaxe gegen Meningokokken ist die Impfung.

Impfung

Seit 1975 gibt es Impfstoffe gegen Meningokokken. In Deutschland sind zurzeit (Mai 2016) folgende Impfstoffe gegen Meningokokken erhältlich:
- ein Monokomponentenimpfstoff (Einzelimpfstoffe) gegen die Serogruppe B.
- drei verschiedene Monokomponentenimpfstoffe (Einzelimpfstoffe) gegen die Serogruppe C.
- zwei verschiedene Monokomponentenimpfstoffe (Einzelimpfstoffe) gegen die Serogruppen A und C.
- zwei verschiedene Monokomponentenimpfstoffe (Einzelimpfstoffe) gegen die Serogruppen A, C, W-135 und Y.

Alle Meningokokken-Impfstoffe sind Totimpfstoffe.

Die Impfung gegen die Meningokokken-Serogruppe C ist in Deutschland eine einmalige Standardimpfung, die allen Kindern im Alter von einem Jahr empfohlen wird. Im Gespräch mit dem Arzt sollte individuell geklärt werden, ob eine Impfung gegen die Meningokokken-Serogruppen A, B, C, W-135 und Y durchgeführt werden sollte (wie von der Sächsischen Impfkommission empfohlen).

Für Säuglinge im Alter von weniger als 1 Jahr ist kein Impfstoff gegen die Meningokokken-Serogruppen A, C, W-135 und Y zugelassen. Für Säuglinge ab dem Alter von 2 Monaten ist ein Impfstoff gegen die Meningokokken-Serogruppe B zugelassen.

Für Kinder im Alter von 1 Jahr wird eine einmalige Impfung gegen die Meningokokken-Serogruppe C empfohlen. Im Gespräch mit dem Arzt sollte individuell geklärt werden, ob ggf. gegen die Meningokokken-Serogruppen A, C, W-135 und Y bzw. gegen die Meningokokken-Serogruppe B durchgeführt werden sollte (wie von der Sächsischen Impfkommission empfohlen).

Ist die Standardimpfung gegen die Meningokokken-Serogruppe C im Alter ab einem Jahr nicht erfolgt, so sollte diese Impfung bei Menschen im Alter bis 17 Jahren nachgeholt werden. Im Gespräch mit dem Arzt sollte individuell geklärt werden, ob ggf. eine Impfung gegen die Meningokokken-Serogruppen A, C, W-135 und Y bzw. gegen die Meningokokken-Serogruppe B durchgeführt werden sollte (wie von der Sächsischen Impfkommission empfohlen).

Bei Erwachsenen stellt die Meningokokken-Impfung keine Standardimpfung dar. Für folgende Personen stellt die Impfung gegen Meningokokken eine Indikationsimpfung dar:
- Für Reisende ist nach individueller Gefährdungsbeurteilung (z.B. Reise in die Sahel-Zone, Pilgerreise nach Saudi-Arabien) eine Impfung gegen Meningokokken sehr empfehlenswert, bzw. für eine Reise nach Saudi-Arabien wird sie offiziell verlangt.
- Gesundheitlich gefährdete Personen mit angeborener oder erworbener Immundefizienz bzw. -suppression.
- Bei Ausbrüchen und regionalen Häufungen.
- Personen mit einem erhöhten nichtberuflichen Expositionsrisiko.

Für folgende Personen stellt die Impfung gegen Poliomyelitis eine Impfung auf Grund eines erhöhten beruflichen Risikos dar:
- Personen mit einem erhöhten beruflichen Expositionsrisiko (z.B. gefährdetes Laborpersonal)

Die Nachholimpfungen gegen Meningokokken können jederzeit durchgeführt werden.
In Deutschland gibt es keine allgemeine Impfpflicht. Derzeit (Mai 2016) verlangen zwei Länder (Saudi-Arabien, Nigeria) eine Meningokokken-Impfung gegen die Serogruppen A, C, W-135 und Y.

Generell sollte vor jeder geplanten Impfung bei Schwangeren eine genaue Risiko-Nutzen-Abwägung erfolgen. Wegen fehlender Erfahrungen ist die Meningokokken-Impfung bei einer Schwangeren „relativ kontraindiziert“.

 

Verfasser und Kontakt

Privatdozent Dr.med. Karl-Heinz Herbinger, Facharzt für Arbeitsmedizin, Tropenmedizin.
E-Mail: herbinger@lrz.uni-muenchen.de

Stand:
31.Mai 2016