Grippe (Influenza)

Empfohlene Impfungen nach der Ständigen Impfkommission (STIKO) 2016

Grippe (Influenza)

Erkrankung

Grippe-Infektionen kommen weltweit vor; am häufigsten im Herbst und Winter in den gemäßigten und kühlen Klimazonen.

Grippe ist eine ansteckende, akute Infektionskrankheit, die Menschen allen Alters betrifft. Die Ursache der Grippe-Erkrankung ist ein Virus, welches über Tröpfchen von Mensch zu Mensch oder über kontaminierte Gegenstände (z.B. Türklinken) übertragen wird.
Die Erkrankung verläuft in der Regel mit Fieber, Schüttelfrost, Kopf-, Hals-, Muskel- und Gliederschmerzen, Übelkeit und trockenem Husten. Die Grippe ist eine teilweise schwer verlaufende Infektionskrankheit und darf nicht mit dem eher harmlosen Schnupfen oder in der Regel mild verlaufenden „grippalen Infekten“, die meist durch andere Viren verursacht werden, verwechselt werden. Lebensgefährliche Komplikationen sind Lungenentzündungen, Hirnhautentzündungen und Herzentzündungen, vor allem bei Menschen ab einem Alter von 60 Jahren und Menschen mit chronischen Grunderkrankungen.

Die Händehygiene mit regelmäßigem Waschen der Hände mit Seife ist der beste Schutz gegen Grippe. Darüber hinaus sollte insbesondere für Risikogruppen (vor allem Menschen ab einem Alter von 60 Jahren und Menschen mit chronischen Grunderkrankungen) die jährliche Grippeschutzimpfung erfolgen. 

Weil sich das Grippevirus ständig ändert, kann die Grippeschutzimpfung die Wahrscheinlichkeit einer Grippeerkrankung nur um durchschnittlich ca. 60% senken.

Erreger

Grippevirus = Influenzavirus.

Es sind 3 verschiedene Arten des Grippevirus bekannt: A, B und C.

Die Grippeviren haben viele bekannte Reservoire im Tierreich, die alle Säugetiere sind, z.B. Vögel, Schweine, Pferde, Hunde, Fledermäuse. Die Übertragung des Grippe-Virus ist von infizierten Menschen oder von kontaminierten Gegenständen (z.B. Türklinken) möglich, in seltenen Fällen auch von infizierten Säugetieren auf den Menschen.

Eine direkte Ansteckung von Mensch zu Mensch ist bei Grippe sehr leicht über Tröpfchen, (z.B. durch Niesen, Husten oder Küssen) oder direkten Kontakt (z.B. Händeschütteln) möglich.

Vorkommen

Die Grippe kommt weltweit vor; am häufigsten im Herbst und Winter in den gemäßigten und kühlen Klimazonen. Man schätzt, dass sich ca. 10 bis 20% aller Menschen in Deutschland während des Herbstes und Winters einer Saison mit Grippeviren infizieren. Mutmaßlich versterben 5.000 bis 10.000 Menschen in Deutschland während des Herbstes und Winters an der Grippe, insbesondere ältere Menschen. Weltweit sterben schätzungsweise 250.000 bis 500.000 Menschen pro Jahr an Grippe.

Beschwerden

Die Dauer vom Zeitpunkt der Infektion bis zum erstmaligen Auftreten von Symptomen beträgt bei der Grippe in der Regel wenige Stunden bis drei Tage.

Symptome:

- Die Erkrankung verläuft in der Regel mit Fieber, Schüttelfrost, Kopf-, Hals-, Muskel- und Gliederschmerzen, Übelkeit und trockenem Husten.
- Typisch ist der plötzliche Krankheitsbeginn.
- Die Grippe ist eine teilweise schwer verlaufende Infektionskrankheit und darf nicht mit dem eher harmlosen Schnupfen oder in der Regel mild verlaufenden „grippalen Infekten“, die durch andere Viren verursacht werden, verwechselt werden.

Lebensgefährliche Komplikationen sind Lungenentzündungen, Hirnhautentzündungen und Herzentzündungen, vor allem bei älteren Menschen und Menschen mit chronischen Grunderkrankungen.

Eine Grippe-Infektion ist eine akute Erkrankung, die ggf. auch lebensgefährlich verlaufen kann. Bei Grippe-Infektionen gibt es keine chronischen Verläufe. Lebensgefährliche Komplikationen sind Lungenentzündungen, Hirnhautentzündungen und Herzentzündungen, die vor allem bei älteren Menschen und Menschen mit chronischen Grunderkrankungen mit einer schlechten Prognose einhergehen.

Die häufigste Todesursache bei Grippe sind Lungenentzündungen mit einer zusätzlichen bakteriellen Lungeninfektion.

Medizinische Versorgung

Die Verdachtsdiagnose „Grippe“ wird meist anhand der Symptomatik klinisch gestellt, wobei viele andere Viren ähnliche Beschwerden hervorrufen können. Die spezifische Diagnostik gelingt durch Tests zum Nachweis der Erbsubstanz (DNA) des Grippevirus oder durch Schnelltest nach einem Abstrich des Nasenrachenraums.
Bei Grippe gibt es keine allgemeine grundsätzliche Therapie. Sogenannte „Neuraminidase-Hemmer“ und „M2-Hemmer“ wirken nur gegen bestimmte Grippeviren. Ihr genereller Einsatz zur Vorbeugung gegen die Grippe ist nicht empfehlenswert.
Die Händehygiene mit regelmäßigem Waschen der Hände mit Seife ist der beste Schutz gegen Grippe. Darüber hinaus sollte insbesondere für Risikogruppen (vor allem Menschen ab einem Alter von 60 Jahren und Menschen mit chronischen Grunderkrankungen) die jährliche Grippeschutzimpfung erfolgen. Weil sich das Grippevirus ständig ändert, kann die Grippeschutzimpfung die Wahrscheinlichkeit einer Grippeerkrankung nur um durchschnittlich ca. 60% senken.

Impfung

Seit 1936 gibt es Impfstoffe gegen die Grippe. Da sich die Grippeviren ständig ändern, muss jährlich der Grippeimpfstoff angepasst werden. Seit 2012 werden von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sogenannte „tetravalente“ Impfstoffe empfohlen, die gegen vier verschiedene Grippeviren schützen können.
Die meisten in Deutschland angebotenen Impfstoffe sind derzeit sogenannte „trivalente“ Impfstoffe, die gegen drei verschiedene Grippeviren schützen können.

In Deutschland waren im letzten Winter (2015/2016) folgende Impfstoffe gegen Grippe erhältlich:

- 19 Monokomponentenimpfstoffe („Einzelimpfstoffe“), die Totimpfstoffe sind.
- 2 Monokomponentenimpfstoffe („Einzelimpfstoff“), die Lebendimpfstoffe sind und in Form von Nasenspray verwendet werden.

In Deutschland waren im letzten Winter (2015/2016) folgende Impfstoffe gegen Grippe erhältlich:

- 19 Monokomponentenimpfstoffe (Einzelimpfstoffe), die Totimpfstoffe sind
- 2 Monokomponentenimpfstoffe (Einzelimpfstoffe), die Lebendimpfstoffe sind und in Form von Nasenspray verwendet werden

Die Impfung gegen Grippe ist in Deutschland eine Standardimpfung, die allen Menschen im Alter ab 60 Jahren empfohlen wird. Die Grippeschutzimpfung erfolgt jährlich, bevorzugt im September oder Oktober.

Die Impfung gegen Grippe stellt bei Säuglingen keine Standardimpfung dar. Nach individueller Abwägung im Gespräch mit dem Arzt kann eine Grippeschutzimpfung ggf. für Säuglinge empfehlenswert sein. Einige Grippeimpfstoffe sind für Säuglinge ab einem Alter von 6 Monaten zugelassen.

Die Impfung gegen Grippe stellt bei Kindern im Vorschulalter keine Standardimpfung dar. Nach individueller Abwägung im Gespräch mit dem Arzt kann eine Grippeschutzimpfung ggf. auch für Kinder im Vorschulalter empfehlenswert sein. Einige Grippeimpfstoffe sind für Kinder ab 1 Jahr zugelassen.

Die Impfung gegen Grippe stellt bei Kindern im Vorschulalter keine Standardimpfung dar. Nach individueller Abwägung im Gespräch mit dem Arzt kann eine Grippeschutzimpfung ggf. für Kinder im Vorschulalter empfehlenswert sein. Die meisten Grippeimpfstoffe sind für Kinder ab 6 Jahre zugelassen.

Die Impfung gegen Grippe stellt bei Erwachsenen im Alter ab 60 Jahren eine Standardimpfung dar. Für folgende Personen stellt die Impfung gegen Grippe eine Indikationsimpfung dar:

- Alle Schwangeren ab dem 4. Schwangerschaftsmonat.
- Ausnahme: Alle Schwangeren mit erhöhter gesundheitlicher Gefährdung infolge eines Grundleidens ab dem 1. Schwangerschaftsmonat.
- Für folgende Personen stellt die Impfung gegen Grippe eine Impfung auf Grund eines erhöhten beruflichen Risikos dar:
- Personen mit erhöhter Gefährdung, z.B. medizinisches Personal, Personen in Einrichtungen mit umfangreichen Publikumsverkehr sowie Personen, die als mögliche Infektionsquelle für von ihnen betreuten Risikopersonen fungieren können.
- Personen mit erhöhter Gefährdung durch direkten Kontakt zu Geflügel und Wildvögeln.

Bei der Grippeschutzimpfung gibt es keine Nachholimpfungen. Bei gegebener Indikation sollten Impfungen gegen Grippe jährlich verabreicht werden, bevorzugt im September und Oktober.

In Deutschland gibt es keine allgemeine Impfpflicht. Derzeit (Mai 2016) verlangt Saudi-Arabien als einziges Land bei der Einreise explizit die Grippeschutzimpfung.
Vor jeder geplanten Impfung bei Schwangeren hat eine genaue Risiko-Nutzen-Abwägung zu erfolgen. Wegen des stärkeren Verlaufes der Grippe bei Schwangeren ist die Impfung bei Schwangeren empfehlenswert (Indikationsimpfung): Alle Schwangeren ab dem 4. Schwangerschaftsmonat. Ausnahme: Alle Schwangeren mit erhöhter gesundheitlicher Gefährdung infolge eines Grundleidens ab dem 1. Schwangerschaftsmonat. Die Totimpfstoffe gegen Grippe gelten bei Schwangeren als sicher. Die Lebendimpfstoffe gegen Grippe dürfen bei Schwangere nicht gegeben werden.

 

Verfasser und Kontakt

Privatdozent Dr.med. Karl-Heinz Herbinger, Facharzt für Arbeitsmedizin, Tropenmedizin.
E-Mail: herbinger@lrz.uni-muenchen.de

Stand:
31.Mai 2016