FSME

Empfohlene Impfungen nach der Ständigen Impfkommission (STIKO) 2016

FSME oder Frühsommer-Meningoenzephalitis

Erkrankung

Die FSME kommt in verschiedenen Regionen Mitteleuropas und Osteuropas vor. In Deutschland vor allem im Süden (Baden-Württemberg, Bayern), sowie in einzelnen Gebieten im Saarland, in Rheinland-Pfalz, in Hessen, in Thüringen und in Sachsen.
Die FSME wird durch ein Virus verursacht, welches über den Stich von Zecken übertragen wird. Da Zecken vor allem im Frühling und Sommer aktiv sind, sollte das Risiko eines Zeckenstiches insbesondere zu dieser Zeit minimiert werden.

Die meisten FSME-Infektionen verlaufen ohne Beschwerden. Die FSME-Erkrankung geht in der Regel mit Grippe-ähnlichen Beschwerden und Fieber einher. Ca. 1 Woche danach kann die Erkrankung ggf. in eine potenziell lebensgefährliche hochakute Erkrankung mit einer Entzündung des Gehirns (Enzephalitis) und der Hirnhäute (Meningitis) übergehen.

Der beste und sicherste Schutz gegen FSME ist die Impfung.

Erreger

FSME-Virus

Vorkommen

Verschiedene Säugetiere (v.a. Mäuse und Wildtiere) und Vögel sind die Hauptwirte des FSME-Virus. Das Virus wird von der Zecke (Ixodes ricinus, „Gemeine Holzbock“) von Tier zu Tier bzw. Mensch übertragen. Die Infektion erfolgt über den Stich (nicht Biss!) der Zecke.
In seltenen Fällen wurden Übertragungen über rohe Milch von infizierten Tieren beschrieben.

Eine direkte Ansteckung von Mensch zu Mensch ist bei FSME nicht bekannt.

Die FSME kommt in verschiedenen Regionen Mitteleuropas und Osteuropas vor: Von Ost-Frankreich bis Russland und Kasachstan. In Deutschland vor allem im Süden (Baden-Württemberg, Bayern), sowie in einzelnen Gebieten im Saarland, in Rheinland-Pfalz, in Hessen, in Thüringen und in Sachsen. In Russland, Nord-Mongolei, Nordost-China, Korea und Japan gibt es ein ähnliches Virus namens RSSE (Russian spring summer encephalitis)-Virus, welches ebenfalls über die Zecke übertragen wird.

Ca. 200-300 Fälle pro Jahr in Deutschland werden registriert, wobei Todesfälle sehr selten sind. Man schätzt, dass ca. 12.000 Menschen pro Jahr in Mitteleuropa, in Osteuropa und in Nordasien nach einer FSME- oder RSSE-Infektion erkranken.

Beschwerden

Die Dauer vom Zeitpunkt der Infektion (Zeckenstich) bis zum erstmaligen Erscheinen von Symptomen beträgt in der Regel 7 bis 14 Tage. Die meisten FSME-Infektionen verlaufen ohne Beschwerden.

Symptome:

Die FSME-Erkrankung geht in der Regel mit Grippe-ähnlichen Beschwerden und Fieber einher. Ca. 1 Woche danach kann die Infektion ggf. in eine potenziell lebensgefährliche hochakute Erkrankung mit einer Entzündung des Gehirns (Enzephalitis) und der Hirnhäute (Meningitis) übergehen.

Eine FSME-Infektion ohne Beteiligung des Gehirns oder der Hirnhäute hat eine sehr gute Heilungsprognose. Eine FSME-Erkrankung mit einer ausgeprägten Entzündung des Gehirns (Enzephalitis) oder der Hirnhäute (Meningitis) ist jedoch lebensgefährlich.

Medizinische Versorgung

Die Verdachtsdiagnose „FSME“ kann wegen der unterschiedlichen Verlaufsformen klinisch nur unsicher gestellt werden. Die spezifische Diagnostik gelingt durch Antikörper-Tests und Tests zum Nachweis der Erbsubstanz (DNA) des FSME-Virus.
Bei FSME gibt es keine ursächliche Therapie.

Die beste Prophylaxe gegen FSME-Erkrankungen ist die Impfung. Da Zecken vor allem im Frühling und Sommer aktiv sind, sollte das Risiko eines Zeckenstiches insbesondere zu dieser Zeit durch entsprechendes Verhalten minimiert werden:

- Nicht durch Gebüsch oder hohes Gras gehen
- Falls man doch durch Gebüsch oder hohes Gras gehen möchte, dann sollte die Haut mit langer Kleidung und festem Schuhwerk bedeckt werden.
- Die unbedeckte Haut sollte mit Repellents benetzt werden. Repellents schützen nicht nur vor Insekten, sondern auch gegen Zecken.
- Nach einer möglichen Zeckenexposition sollte der gesamte Körper nach Zecken abgesucht werden.

Wurde eine blutsaugende Zecke entdeckt, sollte sie mittels einer Zeckenpinzette entfernt werden. Dabei sollte die Zecke möglichst am Kopf gefasst und nach oben gezogen werden, ohne sie dabei zu zerquetschen.

Impfung

Seit 1972 gibt es Impfstoffe gegen FSME. In Deutschland gibt es zurzeit (Juli 2016) folgende Impfstoffe:

- 2 verschiedene Monokomponentenimpfstoffe („Einzelimpfstoffe“) für Kinder
- 2 verschiedene Monokomponentenimpfstoffe („Einzelimpfstoffe“) für Erwachsene

Alle FSME-Impfstoffe sind Totimpfstoffe. Sie schützen nicht vor der Borreliose. Die Borreliose wird durch einen anderen Erreger (Borrelia-Bakterien) verursacht, wobei die Infektion ebenfalls über den Zeckenstich erfolgt.

Die Impfung gegen FSME ist in Deutschland eine Indikationsimpfung, die allen Menschen im Alter von 1 Jahr, die sich in Risikogebieten aufhalten, empfohlen wird. Im Alter unter 1 Jahr ist die Impfung in Deutschland nicht zugelassen. Wegen vermehrter Fieberreaktionen wird vor der Impfung von Kindern unter 3 Jahren eine sorgfältige Indikationsstellung empfohlen.

Impfungen im Schulalter von 6-17 Jahren:

Die Grundimmunisierung besteht aus 3 Impfungen:

  • Dosis am Tag 0
  • Dosis 2 Wochen bis 3 Monate nach der 1. Teilimpfung
  • Dosis 5-12 (bei FSME-Immun®) bzw. 9-12 (Encepur®) Monate nach der 2. Teilimpfung

Wiederimpfung: 1 Dosis nach 3 Jahren. Weitere Impfungen: 1 Dosis alle 5 Jahre

Impfungen bei Erwachsenen ab 18 Jahren:

Die Grundimmunisierung besteht aus 3 Impfungen:

  • Dosis am Tag 0
  • Dosis 2 Wochen bis 3 Monate nach der 1. Teilimpfung
  • Dosis 5-12 (bei FSME-Immun®) bzw. 9-12 (Encepur®) Monate nach der 2. Teilimpfung

Wiederimpfung: 1 Dosis nach 3 Jahren. Weitere Impfungen: 1 Dosis alle 5 Jahre (im Alter <50 Jahren) bzw. 1 Dosis alle 3 Jahre (im Alter >50 Jahren)

Die Nachholimpfungen gegen FSME können jederzeit durchgeführt werden.

In Deutschland gibt es keine allgemeine Impfpflicht. Derzeit (Juli 2016) verlangt kein Land bei der Einreise explizit die FSME-Impfung. Generell sollte vor jeder geplanten Impfung bei Schwangeren eine genaue Risiko-Nutzen-Abwägung erfolgen. Wegen fehlender Erfahrungen ist die FSME-Impfung bei einer Schwangeren „relativ kontraindiziert“.

Verfasser und Kontakt

Privatdozent Dr.med. Karl-Heinz Herbinger, Facharzt für Arbeitsmedizin, Tropenmedizin.
E-Mail: herbinger@lrz.uni-muenchen.de

Stand:
15.Juli 2016