Diphtherie

Empfohlene Impfungen nach der Ständigen Impfkommission (STIKO) 2016

Diphtherie

Erkrankung

Diphtherie (Krupp, echter Krupp) kommt weltweit vor. Häufigeres Vorkommen in Ost-Europa (vor allem Russland, Ukraine) und Asien, vor allem Indien.
Diphtherie ist eine lebensgefährliche, hochakute Erkrankung, die vor allem Säuglinge und Kinder betrifft. Typisch sind ein weißlich-gelber Belag des Rachens und des Kehlkopfs, Heiserkeit, Stimmlosigkeit und Beschwerden beim Einatmen, der als „echter Krupp“ bezeichnet wird.Bei starker Entzündung des Kehlkopf besteht Erstickungsgefahr, weshalb gegebenenfalls ein Luftröhrenschnitt durchgeführt werden muss (Notfall!).
Das Diphterie Bakterium erzeugt ein Gift, welches lebensbedrohliche Beschwerden an den inneren Organen (vor allem Herz und Niere) und den Nerven verursachen kann.

Der beste und sicherste Schutz gegen die Diphterie ist die Impfung.

Erreger

Bakterium: Corynebacterium diphtheriae

Der Mensch ist dabei das einzige bekannte Reservoir des Diphtherie-Bakteriums. Ein tierisches Reservoir ist nicht bekannt. Die Übertragung des Diphtherie-Bakteriums ist nur von infizierten Menschen oder von kontaminierten Gegenständen möglich. Eine direkte Ansteckung von Mensch zu Mensch ist bei Diphtherie leicht über Tröpfchen, z.B. durch Niesen, Husten oder Küssen, möglich.

Vorkommen

Diphtherie kommt weltweit vor; am häufigsten in Ost-Europa (vor Allem Russland und Ukraine) und Asien (vor allem Indien).
In Deutschland kommt Diphtherie sehr selten vor: es treten nur ca. fünf bis 10 Fälle pro Jahr auf, dank der in der Regel relativ guten „Durchimpfung“ gegen Diphtherie.
Man schätzt, dass ca. 3.000 Menschen pro Jahr an Diphtherie versterben, vor allem in Ost-Europa und Asien.

Beschwerden

Die Dauer vom Zeitpunkt der Infektion bis zum erstmaligen Auftreten von Symptomen beträgt in der Regel zwei bis sechs Tage.

Symptome:

- Die ersten Symptome sind meist Schluckbeschwerden, Abgeschlagenheit und Übelkeit.
- Später treten Fieber und Gelenkschmerzen auf.
- Typisch ist ein weißlich-gelber Belag der Mandeln oder des gesamten Rachens, seltener in der Nasenhöhle.
- Häufig kommt es zur „Kehlkopfdiphtherie“. Hierbei breitet sich der weißlich-gelbe Belage bis zum Kehlkopf aus, was mit Heiserkeit und Stimmlosigkeit verbunden ist.
- Typisch sind die Beschwerden beim Einatmen, der als „echter Krupp“ bezeichnet wird.
- Bei starker Entzündung des Kehlkopfs besteht Erstickungsgefahr, weshalb gegebenenfalls ein Luftröhrenschnitt durchgeführt werden muss (Notfall!).
- Seltener infizieren Diphtherie-Bakterien die Haut, die Bindehaut oder innere Organe.

Diphtherie ist eine hochakute Erkrankung. Bei Diphtherie gibt es keine chronischen Verläufe. Bei frühzeitiger Therapie ist die Prognose gut. Die lokalen Formen (Mandeln, Rachen, Haut, Bindehaut) haben eine sehr gute Prognose. Bei der generalisierten Form mit Beteiligung innerer Organe können trotz intensiver Therapie – wenn auch sehr selten – tödliche Verläufe vorkommen.

Medizinische Versorgung

Die Verdachtsdiagnose „Diphtherie“ kann aufgrund der typischen Symptome in der Regel klinisch gestellt werden. Die Gabe von Diphtherie-Immunglobulin dient der Bindung der Gifte. Antibiotika tragen der Bekämpfung des Diphtherie-Erregers bei. Bei sehr starken Verläufen kann eine intensivmedizinische Behandlung mit künstlicher Beatmung notwendig sein.

Die beste Prophylaxe gegen Diphtherie ist die Impfung.

Impfung

Seit 1898 gibt es Impfstoffe gegen Diphtherie.

In Deutschland sind zurzeit (Mai 2016) folgende Impfstoffe gegen Diphtherie erhältlich:
- ein Monokomponentenimpfstoff (Einzelimpfstoffe)
- 10 verschiedene Kombinationsimpfstoffe für Kinder
- 11 verschiedene Kombinationsimpfstoffe für Erwachsene

Alle Diphtherie-Impfstoffe sind Totimpfstoffe.

Die Impfung gegen Diphtherie ist in Deutschland eine Standardimpfung, die allen Menschen im Alter ab zwei Monaten empfohlen wird. Die Grundimmunisierung besteht aus vier Impfungen im Alter von:
- zwei Monaten
- drei Monaten
- vier Monaten
- 11 bis 14 Monaten

Die erste Auffrischimpfung erfolgt im Alter von fünf bis sechs Jahren. Die zweite Auffrischimpfung erfolgt im Alter von neun bis 17 Jahren. Die Auffrischimpfungen gegen Diphtherie erfolgen im Erwachsenenalter ( ab 18 Jahren ) alle zehn Jahre.
Die erste oder nächste Auffrischimpfung sollte mit einer Tetanus-Diphtherie-Keuchhusten-Kombinationsimpfung, ggf. mit einer Tetanus-Diphtherie-Keuchhusten-Poliomyelitis-Kombinationsimpfung erfolgen. Alle weiteren Auffrischimpfungen können alle zehn Jahre mit einer Tetanus-Diphtherie-Kombinationsimpfung, ggf. mit einer Tetanus-Diphtherie-Poliomyelitis-Kombinationsimpfung erfolgen.

Alle Personen mit fehlender oder unvollständiger Grundimmunisierung sollten Nachholimpfungen erhalten. Die Nachholimpfungen gegen Diphtherie können jederzeit durchgeführt werden. Bei regelhaft erfolgter Grundimmunisierung ist eine erneute Grundimmunisierung gegen Diphtherie nicht notwendig, auch wenn diese seit Jahrzenten zurückliegt. Eine einmalige Auffrischimpfung ist hierbei ausreichend.

In Deutschland gibt es keine allgemeine Impfpflicht. Derzeit (Mai 2016) verlangt kein Land bei der Einreise explizit die Diphtherie-Impfung.
Vor jeder geplanten Impfung bei Schwangeren hat eine genaue Risiko-Nutzen-Abwägung zu erfolgen. Eine Diphtherie-Impfung bei einer Schwangeren gilt als eher unbedenklich.

 

Verfasser und Kontakt

Privatdozent Dr.med. Karl-Heinz Herbinger, Facharzt für Arbeitsmedizin, Tropenmedizin.
E-Mail: herbinger@lrz.uni-muenchen.de

Stand:
31. Mai.2016