U5-Untersuchung

U5-Untersuchung

Die U5 soll im 6. oder 7. Lebensmonat erfolgen. Dann ist Ihr Baby etwa ein halbesJahr alt. Im Kinderuntersuchungsheft finden Sie auf der ersten Seite zur U5 wie immer Elterninformationen zu dieser Vorsorgeuntersuchung. Auf der nächsten Seite ist freier Platz für Ihre Notizen, Beobachtungen, Sorgen und Fragen vorgesehen. Schreiben Sie dort alles auf, damit Sie in der Praxis nichts vergessen, was Sie mit dem Arzt besprechen wollen.

Vor der Untersuchung wird eine medizinische Fachangestellte (MFA) oder Ihr Arzt Sie nach Erkrankungen, Operationen, Krampfanfällen und Infektionen Ihres Kindes seit der U4 fragen, außerdem nach Auffälligkeiten beim Schreien, beim Füttern und beim Stuhlgang. Besonders wichtig ist auch Ihr Eindruck als Eltern, ob und wie Ihr Kind auf laute und leise Geräusche reagiert. Schließlich möchte die Praxis Informationen von Ihnen, ob es mit der Betreuung des Kindes Probleme gibt und ob Ihre Familie besonders belastet ist (Alleinerziehung, beengte Wohnung, Geldsorgen, Krankheiten oder Todesfälle in der Verwandtschaft und Ähnliches).

Sie werden gefragt, was Ihr Baby schon alles kann. Soweit möglich, wird dies auch in der Praxis beobachtet und untersucht. Beim Hochziehen an den Händen aus der Rückenlage sollte der Kopf nicht mehr in den Nacken fallen; senkrecht gehalten sollten die Beine federnd etwas Gewicht aufnehmen, und in Bauchlage können sich die meisten Kinder bei U5 mit gestreckten Armen auf Ihre Hände stützen. Spielzeug kann Ihr Kind von einer Hand in die andere geben; es greift dabei mit der ganzen Hand und erkundet mehr mit Händen und Mund als mit den Augen. Es brabbelt vor sich hin und wiederholt einzelne Silben (wie „da-da-da“). Bei Kontakt lässt es sich gern zum Lachen bringen und fängt vielleicht schon an, Fremde von bekannten Personen zu unterscheiden.

Vielleicht schläft Ihr Baby nachts schon durch, vielleicht wacht es aber noch ab und zu auf. Beides ist normal in diesem Alter. Für Sie als Eltern kann es allerdings sehr anstrengend sein, wenn die Nächte immer noch zu kurz geraten. Manche Eltern sorgen sich auch, ob sie den Bedürfnissen des Kindes wirklich gerecht werden können, und fühlen sich überfordert. Wenn Sie der Alltag mit Ihrem Kind sehr belastet oder wenn Sie Ängste und Unsicherheiten quälen, sollten Sie dies zur Sprache bringen. Ihr Kinder- und Jugendarzt kennt solche Probleme, kann krankheitsbedingte Ursachen ausschließen und Ihnen wertvolle Ratschläge geben, wie Sie den Alltag leichter gestalten können und wo Sie Unterstützung bekommen.

Auch wenn Sie sich sorgen und den Eindruck haben, dass sich Ihr Kind langsamer entwickelt als andere Kinder, sollten Sie Ihre Kinderärztin oder Ihren Kinderarzt unbedingt daraufhin ansprechen. Als Vater oder Mutter erleben Sie Ihr Kind jeden Tag, und wenn Sie meinen, etwas sei nicht in Ordnung, sollten Sie Ihre Beobachtungen und Sorgen ernst nehmen und sie der MFA oder dem Arzt vor der Vorsorgeuntersuchung mitteilen.

Während der gesamten Untersuchung achten MFA und Arzt auch darauf, wie sicher Sie in den ersten Lebensmonaten schon im Umgang mit Ihrem Baby geworden sind oder wo Sie noch nicht so gut zurecht kommen, um Ihnen bei Bedarf Unterstützung anbieten oder empfehlen zu können.

Für die körperliche Untersuchung muss das Kind bis auf die Windel ausgezogen werden. Es wird gewogen, Länge und Kopfumfang werden gemessen. Der Arzt achtet auf Hautveränderungen und beobachtet die Atmung. Herz und Lunge werden mit dem Stethoskop abgehört. Der Bauch wird abgetastet, um Leber- oder Milz-Vergrößerungen oder Organveränderungen im Magen-Darm-Trakt sowie Nabel- oder Leistenbrüche zu erkennen. Der gesamte Körper wird auf Asymmetrien, Muskelspannung, Gelenkbeweglichkeit, Reflexe und Verletzungszeichen untersucht. Am Kopf wird getastet, ob die sogenannte Fontanelle („das Leben“, die weiche Stelle ganz oben auf dem Kopf) und die Schädelnähte ein normales Kopfwachstum zulassen und ob die Kopfform sich normal entwickelt. Im Mund wird die Zahnleiste, der Gaumen, die Zunge und die Spannung der Mundmuskeln geprüft. Die Augen werden auf Veränderungen oder Zittern untersucht; mit einer speziellen Lampe durchleuchtet der Arzt die Augen und kontrolliert, ob die Pupillen seitengleich aufleuchten. Daran kann er mögliche Augenkrankheiten oder Fehlsichtigkeit erkennen. Sollte Ihnen auf einem Foto mit Blitz auffallen, dass die Augen Ihres Kindes unterschiedlich rot aufleuchten, berichten Sie dies Ihrem Arzt und zeigen Sie ihm das Foto.

Abschließend erfolgt eine Beratung zu verschiedenen Themen. Sie stillen Ihr Baby noch oder füttern Flaschennahrung, aber um die U5 herum sollten Sie anfangen, einen erste Brei mit dem Löffel zu füttern; bei Fragen dazu oder Schwierigkeiten sprechen Sie mit Ihrem Arzt. Zusätzlich können Sie zuckerfreie Getränke anbieten; lassen Sie Ihr Baby aber nicht dauernd an der Flasche nuckeln; dann würde sogar Wasser die kommenden Milchzähne zerstören. Wenn Ihr Kind schon einen oder mehrere Zähne hat, reinigen Sie diese nach dem Füttern mit einer weichen Babyzahnbürste oder einem feuchten Q-Tip.

Zur Vorbeugung des plötzlichen Kindstods wissen Sie wahrscheinlich schon alles: Ihr Baby sollte im eigenen Bettchen bei Ihnen im Schlafzimmer schlafen, auf dem Rücken im Schlafsack ohne Kopfkissen, und in der Wohnung soll nicht geraucht werden.

Das höchste Unfallrisiko besteht jetzt beim Wickeln: Sie dürfen sich nicht wegdrehen oder gar kurz weggehen, um etwas Fehlendes zu holen; wenn das Kind sich umdreht, kann es vom Wickeltisch fallen.

Sie geben weiter täglich eine Tablette mit Vitamin D und Fluorid (auf Rezept vom Arzt) zur Vorbeugung gegen Rachitis und Karies. Ist jetzt Sommer, so müssen Sie Ihr Kind vor der Sonne schützen. Sonnencreme brauchen Sie noch nicht; Sie sorgen einfach immer für Schatten, für bedeckende Kleidung und vergessen nie das Mützchen!

Ihr Kind hört gern zu, wenn Sie sich unterhalten; sind Sie allein mit dem Baby, begleiten Sie Ihre Tätigkeiten mit Worten und singen ihm Kinderlieder vor. Viele Kinder hören aber auch gern andere Musik! All dies fördert die Sprachentwicklung. Ihre Kinder- und Jugendarztpraxis informiert Sie gern über Angebote in Ihrem Umfeld, wo Sie andere junge Familien zum Austausch treffen oder Beratung bekommen können. Dort finden Sie auch Unterstützung bei vielfältigen Sorgen und Problemen, zum Beispiel auch bei Alkohol- oder Drogenproblemen in der Familie.

Impfungen

Die erste Impfserie mit drei Sechsfach-Impfungen gegen Diphtherie, Tetanus, Keuchhusten, Kinderlähmung, Haemophilus Influenzae (Hib) und Hepatitis B (alles in einer Spritze), drei Extra-Spritzen gegen Pneumokokken und zwei bis drei Rotavirus-Schluckimpfungen sollte bei U5 schon abgeschlossen sein; wenn nicht, ist jetzt Gelegenheit, Versäumtes nachzuholen.

Die nächsten Impfungen und die nächste Vorsorgeuntersuchung U6 folgt dann kurz vor dem ersten Geburtstag Ihres Kindes, also erst nach 6 Monaten. Vielleicht möchten Sie aber auch in der Mitte dieses Zeitraums noch eine zusätzliche Gewichtskontrolle und Beratung mit Ihrem Arzt vereinbaren, zum Beispiel um noch einmal über die Ernährung zu sprechen, die sich in dieser Zeit immer wieder ändert.

Alter

6. bis 7. Lebensmonat

Verfasser und Kontakt

Dr. med. Burkhard Lawrenz, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin
E-Mail: blawrenz@t-online.de

Stand: 
13. Oktober 2016