U4-Untersuchung

U4-Untersuchung

Die U4 erfolgt im Alter von 2 bis 4 Monaten. Vereinbaren Sie rechtzeitig einen Termin bei Ihrem Kinder- und Jugendarzt: wenn Ihr Baby bei der U4 älter ist als 4 ½ Monate, wird die Untersuchung von der Krankenversicherung nicht mehr bezahlt! Besprechen Sie dabei auch, ob bei der U4 eine Impfung gemacht werden soll!
Bei der U4 geht es um die Entwicklung mit Wachstum, Gewicht, Bewegung, Wahrnehmung und Kontaktaufnahme. Sie können über Schwierigkeiten berichten und Fragen stellen. Ihr Arzt wird das Kind untersuchen und Sie auf mögliche Probleme hinweisen.

Was sollten Sie darüber wissen?
Im gelben Kinder-Untersuchungsheft finden Sie jeweils auf der ersten Seite der einzelnen Us eine kurze Erklärung zu den einzelnen Vorsorgen („Elterninfomration“). Auf der nächsten Seite ist dann freier PLatz für Ihre Sorgen und Fragen vorgesehen. Schreiben Sie dort alles auf, damit Sie in der Arztpraxis nicht alles vergessen, was Sie mit dem Arzt besprechen wollten.

Vielleicht hat Ihr Baby bereits relativ stabile Schlafzeiten entwickelt, vielleicht wacht es aber auch noch alle drei bis vier Stunden auf. Beides ist normal in diesem Alter. Für Sie als Eltern kann es allerdings sehr anstrengend sein, wenn die Nächte immer noch zu kurz geraten. Manche Eltern sorgen sich auch, ob sie den Bedürfnissen des Kindes wirklich gerecht werden können, und fühlen sich überfordert. Wenn Sie der Alltag mit Ihrem Kind sehr belastet oder wenn Sie Ängste und Unsicherheiten quälen, sollten Sie dies zur Sprache bringen. Ihr Kinder- und Jugendarzt kennt solche Probleme und kann Ihnen wertvolle Ratschläge geben, wie Sie den Alltag leichter gestalten können und wo Sie gegebenenfalls fachliche Unterstützung erhalten.

Auch wenn Sie sich sorgen und den Eindruck haben, dass sich Ihr Kind langsamer entwickelt, sollten Sie Ihre Kinderärztin oder Ihren Kinderarzt unbedingt daraufhin ansprechen. Als Vater oder Mutter erleben Sie Ihr Kind jeden Tag und wenn Sie meinen, etwas sei nicht in Ordnung, sollten Sie Ihre Beobachtungen und Sorgen wichtig nehmen und sie der MFA oder dem Arzt vor der Vorsorgeuntersuchung mitteilen.

Anschließend fragt die MFA Sie nach Erkrankungen, Operationen und Krampfan­fällen seit der U3, außerdem nach Schwierigkeiten beim Füttern, Erbrechen oder Schluckstörungen, und nach dem Stuhlgang. So kann man Anzeichen für Erkrankungen oder Fehlbildungen im Verdauungstrakt erkennen. Auch nach der Stuhlfarbe wird gefragt, weil besonders helle Stühle Hinweise auf seltene Erkrankungen und Fehlbildungen im Bereich der Gallenweg sein könnten. Die Frage, ob Ihr Baby viel schreit, soll helfen, Regulations- oder Interaktionsstörungen aufzudecken. Wenn Ihr Baby anders schreit als andere Kinder, kann auch dies ein Hinweis auf seltene Erkrankungen sein. Zum Beispiel gibt es eine sehr seltene Chromosomen­störung, bei der sich das Schreien des Kindes anhört wie eine Katze („Katzenschrei-Syndrom“). Auch ob Sie Ihr Baby alleine betreuen oder gute Unterstützung haben, ob es in Ihrer Familie bereits besondere Belastungen gibt, ist wichtig für den Arzt, weil er nur so beurteilen kann, ob Sie zusätzliche Hilfen brauchen, zum Beipsiel die „Frühen Hilfen“ Ihrer Stadt oder Gemeinde, uim die gesunde Entwicklung Ihres Kindes zu sichern, ohne Sie als Eltern zu überlasten.

Zu Beurteilung der Entwicklung  werden die Bewegungen der Arme und Beine und die Kopfhaltung im Sitzen und in Bauchlage beobachtet. Mit 3 Monaten sollte Ihr Baby sich schon für kurze Zeit auf die Unterarme stützen und den Kopf dabei hoch halten können. Dabei können die MFA oder der Arzt auch erkennen, ob das Kind ihr Gesicht verfolgt. Mit einer Rassel oder einem Schlüsselbund wird geprüft, ob das Baby gut hört (Blinzeln, Lauschen, Kopfdrehen). 90 % der Babys können mit drei Monaten ihre Hände in der Körpermitte zusammen bringen, freuen sich über Zuwendung und reagieren mit Lächeln auf Ansprache oder Anlächeln durch ihre Eltern.

Während der gesamten Untersuchung achten MFA und Arzt auch darauf, wie sicher Sie in den ersten Lebensmonaten schon im Umgang mit Ihrem Baby geworden sind oder wo Sie noch nicht so gut zurecht kommen, um Ihnen bei Bedarf Unterstützung anbieten oder empfehlen zu können.
Für die körperliche Untersuchung muss das Kind bis auf die Windel ausgezogen werden. Es wird gewogen, Länge und Kopfumfang werden gemessen. Der Arzt achtet auf Hautveränderungen und beobachtet die Atmung. Herz und Lunge werden mit dem Stethoskop abgehört. Der Bauch wird abgetastet, um Leber- oder Milz-Vergrößerungen oder Organveränderungen im Magen-Darm-Trakt  sowie Nabel- oder Leistenbrüche zu erkennen. Der gesamte Körper wird auf Asymmetrien, Muskelspannung, Gelenkbeweglichkeit, Reflexe und Verletzungszeichen untersucht. Am Kopf wird getastet, ob die sogenannte Fontanelle („das Leben“, die weiche Stelle ganz oben auf dem Kopf) und die Schädelnähte ein normales Kopfwachstum zulassen und ob die Kopfform sich normal entwickelt. Im Mund wird die Zahnleiste, der Gaumen, die Zunge und die Spannung der Mundmuskeln geprüft. Die Augen werden auf Veränderungen oder Zittern untersucht; mit einer speziellen Lampe durchleuchtet der Arzt Hornhaut und Linse, um keine Trübungen zu übersehen.

Abschließend erfolgt noch eine kurze Beratung zur Ernährung und zur Unfallverhütung sowie über Vorbeugung gegen Rachitis, Karies und plötzlichen Kindstod, bei Bedarf auch zu Unterstützungsangeboten Ihrer Gemeinde. Wo  Unklarheiten oder Probleme erkennbar werden, verlängert sich natürlich die Beratung entsprechend.

Impfungen
Die U4 ist oft auch Impftermin. Meist erhalten Babys schon ihre zweite Schutzimpfung gegen Diphtherie, Tetanus, Keuchhusten, Kinderlähmung, Haemophilus Influenzae (Hib) und Hepatitis B (alles in einer Spritze) sowie eine Extra-Spritze gegen Pneumokokken und eine Schluckimpfung gegen Rotaviren. Für das kindliche Immunsystem ist das nicht zu viel. Es hat sich schon längst daran gewöhnt, ständig mit allen möglichen Bakterien und Viren in Kontakt zu kommen und diese abzuwehren, ohne krank zu werden. Impft man gegen mehrere Krankheiten auf einmal, erspart man seinem Baby so manchen Pieks, und insgesamt gibt es auch weniger Nebenwirkungen, ohne dass die Wirksamkeit der einzelnen Impfungen leidet. Heutige Impfstoffe sind gut getestet und so sicher, dass es fast nie zu ernsten Nebenwirkungen oder gar bleibenden Schäden kommt. Die Fahrt mit dem Auto zur Praxis und wieder zurück ist gefährlicher als die modernen Impfungen.

Denken Sie daran, dass die nächsten Impftermine nicht zeitgleich mit der nächsten Früherkennungsuntersuchung stattfinden. Vereinbaren Sie deshalb am besten gleich den nächsten Termin, frühestens in vier Wochen, aber möglichst auch nicht wesentlich später.

Alter

3. bis 4. Lebenswoche 

Verfasser und Kontakt

Dr. med. Burkhard Lawrenz, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin
E-Mail: blawrenz@t-online.de

Stand:
12. September 2016