U3-Untersuchung

U3-Untersuchung

Die U3 soll in der 4. bis 5. Lebenswoche durchgeführt werden. In Ausnahmefällen ist sie schon in der 3. Lebenswoche möglich und kann bis spätestens in der 8. Lebenswoche nachgeholt werden; danach bezahlen die Krankenkassen die Untersuchung nicht mehr. Bei der U3 wird geprüft, wie Ihr Baby und Sie sich an das gemeinsame Leben bei Ihnen zu Haus gewöhnt haben, ob sich Ernährung, Verdauung und Schlafen einspielen und ob die Gewichtszunahme normal ist. Eine eventuelle Neugeborenen-Gelbsucht sollte abgeklungen sein, und erste Entwicklungsschritte sind zu verzeichnen. 

Bei allen Kindern müssen beide Hüftgelenke mit Ultraschall untersucht werden, um Reifungsstörungen der Hüftgelenke frühzeitig erkennen und behandeln zu können. Wahrscheinlich wird Ihr Kinder- und Jugendarzt die Untersuchung selbst in seiner Praxis machen; hat er das nötige Gerät nicht, überweist er Sie mit Ihrem Baby zu einem kinder- und jugendärztlichen Kollegen oder einem Orthopäden, der die Untersuchung durchführen kann. Reifen die Hüftgelenke nicht normal aus, kann es zu Schwierigkeiten beim Laufen und später zu vorzeitigem Gelenkverschleiß führen. Um das zu verhindern, reicht bei auffälligem Ultraschallbefund meist eine Beuge-Spreiz-Schiene (zum Beispiel die Tübinger Hüftschiene oder die Pawlik-Bandage) aus. In Ausnahmefällen müssen Becken und Beine eingegipst werden; auch eine Operation kann notwendig sein. 

Zu Beginn der U3 werden Sie gefragt, ob Ihr Baby seit der U2 ernste Erkrankungen, Operationen oder Krampfanfälle gehabt hat, welche Nahrung es bekommt, ob es Schwierigkeiten beim Füttern gibt oder ob es auffällig oder sehr viel schreit. Wichtig ist auch, ob das Kind die Vitamin-D- und Fluorid-Tabletten täglich bekommt und verträgt. Bei den meisten Kindern, insbesondere wenn sie Muttermilch bekommen, ist fast nach jedem Stillen Stuhl in der Windel; manche Kinder haben aber auch bis zu zwei Wochen keinen Stuhl; so lange sie dabei keine Bauchschmerzen und Schreiattacken haben, ist das alles normal. Die Stuhl sollte gelb, orange oder braun sein; besonders bei HA-Nahrung kann er auch grün sein. Farblose oder graue Stühle können besonders im Zusammenhang mit einer anhaltenden Gelbsucht auf Probleme mit Leber und Gallenwegen hinweisen.

Auch Ihre Lebenssituation ist bedeutsam: haben Sie Unterstützung bei der Betreuung Ihres Kindes, gibt es besondere Belastungen in der Familie wie Probleme in der Partnerschaft, beengte Wohnverhältnisse oder Geldsorgen? Machen Sie sich vor der Untersuchung Notizen, wenn Sie zu einem dieser vielen Punkte Angaben machen oder mit Ihrem Arzt sprechen wollen. Dafür ist Platz im Vorsorgeheft vorgesehen, Sie können aber auch einen Notizzettel benutzen, wenn Sie Ihre Fragen nicht im Heft eintragen möchten. 

Während der gesamten Vorsorge wird beobachtet, wie Sie und Ihr Kind aufeinander reagieren und was es schon kann. Wenn Sie Ihr Baby ansprechen, sollte es reagieren, Sie ansehen und eventuell schon mal anlächeln. Manche Kinder sehen auch schon hinter leuchtenden oder bunten Gegenständen hinterher. Durch Körperkontakt, Wiegen und Singen lassen sie sich beruhigen, und auf laute Geräusche reagieren sie mit Blinzeln, Erschrecken oder Schreien. In Rückenlage fällt der Kopf nicht zur Seite; in Bauchlage kann das Baby ihn schon kurz anheben. Die Hände sind meist zur Faust geschlossen, können aber auch mal geöffnet werden. 

Ihr Baby wird von Kopf bis Fuß untersucht. Es wird nach Auffälligkeiten an der Haut (wie Gelbsucht, Muttermale oder Blutschwämmchen), am Kopf, an Augen, Ohren, Nase, Mund, inneren Organen, Muskeln, Knochen und Gelenken sowie nach Asymmetrien und erneut nach Fehlbidlungen oder eventuellen Verletzungen bei der Geburt gesucht. Verschiedene Reflexe und Reaktionen werden geprüft; die Augen werden mit einer speziellen Lampe durchleuchtet, um angeborene Linsentrübungen zu erkennen, die zwar nur sehr selten auftreten, dann aber bis zur 8. Lebenswoche operiert werden müssen, insbesondere, wenn sie an beiden Augen vorhanden sind. 

Das Kopfwachstum wird bestimmt, da es mit dem Wachstum des Gehirns parallel verläuft. Dazu dürfen die Schädelknochen noch nicht zusammengewachsen sein; Ihr Arzt erkennt das an den beiden kleinen Lücken im Schädel am höchsten Punkt und am Hinterkopf (Fontanellen). Die Länge wird gemessen, und Ihr Kind wird wieder gewogen. In diesem Alter (ca. 1 Monat) ist Ihr Kind kein Neugeborenes mehr, sondern ein Säugling, und nimmt pro Woche ca. 150 bis 200g zu. 

Der Arzt bespricht mit Ihnen das Ergebnis der Untersuchung. Bei Bedarf werden Sie erneut zum plötzlichen Kindstod, zur Unfallverhütung, zum Umgang mit dem Schreien Ihres Babys, zur Rachitis- und Karies-Vorbeugung und zur Ernährung beraten und erhalten nochmals Informationen über Unterstützungsangebote Ihrer Gemeinde für junge Familien. Wenn Ihr Kind viel schreit, kann das die Nerven der Eltern stark strapazieren; schütteln Sie Ihr Kind aber nie, das kann zu lebensgefährlichen Hirnblutungen führen, sondern suchen Sie sich rechtzeitig professionelle Hilfe und jemanden, der Ihnen Ihr Baby mal abnimmt! 

Besonders wichtig sind bei der die ersten Informationen über das Impfen, denn die erste Impfung steht schon ab einem Alter von 6 Wochen an: die Schluckimpfung gegen Rotaviren, die beim Säugling gefährliche Durchfallerkrankungen hervorrufen können. Ab einem Alter von 2 Monaten kann man in der Regel die ersten Impfungen als Spritze in die Oberschenkelmuskeln machen: die Sechsfach-Impfung gegen Diphtherie, Tetanus, Keuchhusten Hirnhautentzündung durch Haemophilus influenzae B (HiB), Kinderlähmung und Hepatitis B und die Einzelimpfung gegen 13 verschiedene Pneumokokken-Stämme, die beim Kind Mittelohrentzündung, Lungenentzündung und lebensgefährliche Hirnhautentzündungen mit oder ohne Blutvergiftung hervorrufen können. Die Kinder- und Jugendarzt-Praxis gibt Ihnen zu diesen Impfungen schriftliche Informationen mit; lesen Sie diese mit Ihrem Partner zu Haus durch. Wenn Fragen offen bleiben oder Sie einzelne Impfungen weglassen oder später machen lassen möchten, können Sie dies alles jeweils vor den einzelnen Impfungen mit Ihrem Kinder- und Jugendarzt besprechen. Die heutigen Standard-Impfungen für Kinder sind ungefährlich; sie sind sehr gut geprüft. Fieber oder Unwohlsein nach der Impfung können anzeigen, dass das Immunsystem auf die Impfung reagiert und ein Impfschutz entsteht (das ist aber auch ohne diese Reaktion wahrscheinlich), und bleibende Schäden durch Impfungen sind heutzutage so selten, dass der Weg mit dem Auto zur Impfung gefährlicher ist als die Impfung selbst! 

Ihr Baby bekommt bei der U3 ein letztes Mal Vitamin K als Tropfen, damit es nicht zu gefährlichen Blutungen kommt. Wenn es das Vitamin K bei der U1 als Spritze bekommen hat, kann die zweite Gabe bei der U3 eventuell entfallen. Sie geben weiter täglich eine Tablette mit Vitamin D und je nach Rat Ihres Arztes auch mit Fluorid. Ihr Kinder- und Jugendarzt kann Ihnen dafür ein Rezept geben, damit Sie die Tabletten nicht selbst bezahlen müssen. 

Stillen ist auch in diesem Alter das Beste für die Gesundheit Ihres Kindes und Ihre eigene. Außerdem macht es beide glücklich! Wenn Sie nicht stillen können oder wollen, geben Sie weiter Säuglingsmilchnahrung „Pre“ oder „1“, auf Empfehlung Ihres Arztes oder Ihrer Hebamme eventuell mit dem Zusatz „HA“. Halten Sie sich genau an die Anweisungen auf den Packungen, und bereiten Sie die Flaschen-nahrung für Ihr Kind nicht selbst aus Kuhmilch oder anderen Milcharten zu. Außer Milch braucht Ihr Baby noch nichts; Brei braucht es frühestens mit vier Monaten. 

Ist die Untersuchung auf angeborene Hörstörungen noch nicht erfolgt oder noch nicht abgeschlossen, kann das noch nachgeholt werden. Bis zur 12. Lebenswoche soll eine solche Störung erkannt werden, um optimal behandeln zu können. Der Bluttest auf Mukoviszidose (eine seltene angeborene Krankheit der Atemwege und Verdauungsorgane) kann spätestens in der 4. Lebenswochen noch nachgeholt werden; danach funktioniert der Test nicht mehr. 

Für die Impfungen und für die nächste Vorsorge, die U4, sollten Sie gleich Termine vereinbaren. Die U4 soll im Alter von 2 bis 3 Monaten folgen.

Alter

4. bis 5. Lebenswoche 

Verfasser und Kontakt

Dr. med. Burkhard Lawrenz, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin
E-Mail: blawrenz@t-online.de

Stand: 
2. Oktober 2016