U11-Untersuchung

U11-Untersuchung

Die U11 ist die zweite zusätzliche Vorsorgeuntersuchung, die die große Lücke zwischen der von allen Krankenkassen bezahlten U9 (mit 5 Jahren) und J1 (mit 13 Jahren) schließen soll. Sie kann im Alter von 9 bis 10 Jahren erfolgen, wird aber leider noch nicht von allen Krankenkassen bezahlt. Fragen Sie also bei Ihrem Kinder- und Jugendarzt nach, ob er die Untersuchung über die Versichertenkarte Ihres Kindes abrechnen kann; wenn nicht, fragen Sie bei Ihrer Krankenkasse nach, ob die Rechnung Ihres Arztes für die U11 teilweise oder ganz erstattet wird. Sie dürfen dabei natürlich auch darauf hinweisen, dass es viele Kassen gibt, die die Kosten für die Untersuchung bereits vollständig übernehmen.

Bei der U11 geht es um Wachstum, Gewicht, Blutdruck, Ernährung und Bewegung sowie um die körperliche, seelische, soziale und schulische Entwicklung sowie die die familiäre Situation kurz vor oder zu Beginn der Pubertät Ihres Kindes. Wenn Sie selbst Probleme in einem oder mehreren dieser Bereiche sehen oder Fragen an den Arzt haben, machen Sie sich bitte schon zu Hause Notizen, damit Sie in der Praxis nichts davon vergessen. Bringen Sie zur U11 bitte das gelbe „Kinder-Untersuchungsheft“ Ihres Kindes und – falls schon vorhanden -  auch sein grünes Heft („Paed.PlusR“) mit der eingetragenen U10 mit. Die U11 wird dort ebenfalls eingetragen.  Denken Sie auch daran, die Impfpässe der ganzen Familie mitzunehmen, damit der Impfschutz nicht nur bei Ihrem Kind überprüft und bei Bedarf vervollständigt oder aufgefrischt werden kann.

In der Praxis beantworten Sie zunächst einen zweiseitigen Elternfragebogen mit 67 Fragen durch Ankreuzen („stimmt“ oder „stimmt nicht“). Wenn Sie Schwierigkeiten mit dem Fragebogen haben, wird eine MFA (Medizinische Fachangestellte) Ihnen gerne helfen. An Ihren Antworten kann Ihr Arzt schnell erkennen, ob es weitere Fragen zu besprechen gibt oder nicht. Die MFA wiegt Ihr Kind, misst Körpergröße und Blutdruck und macht einen Hör- und einen Sehtest. Außerdem wird sie eine Urinprobe zur Untersuchung benötigen; lassen Sie daher Ihr Kind nicht direkt vor der U11 zur Toilette gehen und melden Sie sich bei einer MFA, wenn es in der Praxis zur Toilette will. Schließlich werden Sie befragt, wie viel Zeit Ihr Kind täglich mit Bewegung (auch der Schulweg zu Fuß oder mit dem Rad gehört dazu) und vor dem Monitor verbringt (Fernsehen, Computer, Laptop, Tablet, Smartphone): jeweils weniger als eine Stunde, ein bis drei Stunden, oder mehr als drei Stunden? Die gesamte Medienzeit soll die tägliche Bewegungszeit im Durchschnitt nicht überschreiten.

Der Arzt sieht sich Ihren Fragebogen und die Ergebnisse der genannten Tests an. Dann untersucht er Ihr Kind von Kopf bis Fuß. Dabei wird besonders auf Karies, Zahn­lücken, Zahnstellung und den Bewegungsapparat geachtet, um bei Bedarf rechtzeitig zahnärztliche, kieferorthopädische, physiotherapeutische oder orthopädi­sche Maßnahmen einleiten zu können, zum Beispiel bei Zahnfehlstellungen, Haltungsschwäche, Wirbel­säulenverkrümmung, Beinfehlstellungen oder Plattfüßen. Es wird festgestellt, ob bereits erste Pubertäts­zeichen aufgetreten sind und ob diese für das Alter Ihres Kindes normal sind. Chronische Krankheiten wie Asthma oder Neurodermitis sind in diesem Alter meist bekannt und fallen nur selten erst durch eine Vorsorgeuntersuchung auf.

Schließlich wird das Ergebnis der Vorsorge mit Ihnen besprochen. Meist wird der Arzt feststellen, dass das untersuchte Kind gesund ist. Bei Auffälligkeiten können weitere Untersuchungen oder Therapiemaßnahmen notwendig sein, die Ihnen erklärt werden. Außerdem werden Sie und Ihr Kind bei Bedarf zu gesunder Ernährung, Karies-Vorbeugung, Bewegung, Unfallverhütung, Schutz vor Sonne, Suchtmittel- und Mediengebrauch sowie zur Erziehung in der Vorpubertät bzw. zu Beginn der Pubertät und zu Problemen in der Familien beraten.

 

Impfungen

Bei der U11 (spätestens 5 Jahre nach der letzten Impfung) soll der Schutz gegen Tetanus, Diphtherie und Keuchhusten noch einmal aufgefrischt werden, dieses Mal kombiniert mit der letzten routinemäßigen Impfung gegen Kinderlähmung. Ihr Kind muss jetzt keine Angst bekommen: dies alles geschieht mit einer einzigen Spritze als Kombinationsimpfung. Bei Mädchen wird die Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs durch Humane Papillom-Viren (HPV) bereits ab dem neunten Geburtstag empfohlen, weil in der Vorpubertät und im frühen Jugendalter zwei Spritzen innerhalb von 6 Monaten für einen dauerhaften Impfschutz ausreichen, während nach dem 15. Geburtstag drei Spritzen innerhalb eines Jahres nötig sind. Außerdem werden Impfungen im Jugendalter gerne vergessen, so dass es sicherer ist, früh zu beginnen. Die Kosten werden bis zum 18. Geburtstag von allen Krankenkassen übernommen.

Bislang versäumte oder nicht vollständig durchgeführte Impfungen können nachgeholt werden. Damit der Arzt dies prüfen kann, müssen Sie natürlich den Impfpass Ihres Kindes mitbringen. Die meisten Kinder- und Jugendarztpraxen prüfen auch gern die Impfpässe der übrigen Familie (Geschwister, Eltern, Großeltern etc.) auf Impflücken. Manche bieten dann selber Impfungen für erwachsene Familienangehörige an, andere verweisen auf den Hausarzt.

Informieren Sie Ihren Arzt auch über Ihre Reisegewohnheiten. In Baden-Württemberg, Bayern, Österreich, Osteuropa und inzwischen sogar in Südskandinavien ist zusätzlich zu den hier üblichen Impfungen ein Impfschutz gegen FSME (Zeckenenzephalitis) erforderlich, in subtropischen und tropischen Gebieten sowie in Ländern mit Hygienemängeln (Osteuropa, Asien) eventuell auch ein Impfschutz gegen Hepatitis A. Bei Fernreisen können weitere Impfungen und Vorbeugemaßnahmen gegen Malaria und andere von Mücken übertragene Krankheiten empfehlenswert sein. Lassen Sie sich vor solchen Reisen rechtzeitig ärztlich beraten!

 Die nächste Vorsorgeuntersuchung J1 („Jugendgesundheitsuntersuchung“ oder „Paed.CheckR 13.0) folgt im Alter von 12 bis 14 Jahren. Sie wird von allen Krankenkassen bezahlt. Spätestens dann soll die Tetanus-Diphtherie-Keuchhusten-Kinderlähmungs-Auffrischung erfolgen und bei Mädchen die HPV-Impfung begonnen werden.

 

 

Alter

9 bis 10 Jahren (nicht alle Kassen übernehmen die Kosten)

Geschlecht

Mädchen und Jungen

Verfasser und Kontakt

Dr. med. Burkhard Lawrenz, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin
E-Mail: blawrenz@t-online.de