U10-Untersuchung

U10-Untersuchung

Die U10 ist die erste von zwei zusätzlichen Vorsorgeuntersuchungen, die die große Lücke zwischen der von allen Krankenkassen bezahlten U9 (mit 5 Jahren) und J1 (mit 13 Jahren) schließen sollen. Sie kann im Alter von 7 bis 8 Jahren erfolgen, wird aber leider noch nicht von allen Krankenkassen bezahlt. Fragen Sie also bei Ihrem Kinder-und Jugendarzt nach, ob er die Untersuchung über die Versichertenkarte Ihres Kindes abrechnen kann; wenn nicht, fragen Sie bei Ihrer Krankenkasse nach, ob die Rechnung Ihres Arztes für die U10 teilweise oder ganz erstattet wird. Sie dürfen dabei natürlich auch darauf hinweisen, dass es viele Kassen gibt, die die Kosten für die Untersuchungbereits vollständig übernehmen.

Bei der U10 geht es um Wachstum, Gewicht, Blutdruck, Ernährung und Bewegung sowie um die körperliche, seelische, soziale und schulische Entwicklung, außerdem um diefamiliäre Situation. Wenn Sie selbst Probleme in einem oder mehreren dieser Bereiche sehen oder Fragen an den Arzt haben, machen Sie sich bitte schon zu Hause Notizen, damit Sie in derPraxis nichts davon vergessen. Bringen Sie bitte das gelbe Heft Ihres Kindes zur U10 mit, damit Ihr Arzt sich über die Entwicklung in den ersten fünf Lebensjahren informieren kann. Die U10 wird er in ein neues grünes Vorsorgeheft eintragen, das Sie in der Praxis erhalten („Paed.PlusR“).Denken Sie auch daran, die Impfpässe der ganzen Familie mitzunehmen, damit der Impfschutz nicht nur bei Ihrem Kind überprüft und bei Bedarf vervollständigt wird, sondern auch der der ganzen Familie.

In der Praxis beantworten Sie zunächst einen zweiseitigen Elternfragebogen mit 67 Fragen durch Ankreuzen („stimmt“ oder „stimmt nicht“). Wenn Sie Schwierigkeiten mit dem Fragebogen haben, wird Ihnen eine medizinische Fachangestellte (MFA) gerne helfen. An Ihren Antworten kann Ihr Arzt schnell erkennen, ob es weitere Fragen zu besprechen gibt oder nicht. Die MFA wiegt Ihr Kind, misst Körpergröße und Blutdruck und macht einen Hör-und einen Sehtest. Außerdem wird sie eine Urinprobe zur Untersuchung benötigen; lassen Sie daher Ihr Kind nicht direkt vor der U10 zur Toilette gehen und melden Sie sich bei einer MFA, wenn es in der Praxis zur Toilette will. Schließlich werden Sie befragt, wie viel Zeit Ihr Kind täglich mit Bewegung (auch der Schulweg zu Fuß oder mit dem Rad gehört dazu) und vor dem Monitor verbringt (Fernsehen, Computer, Laptop, Tablet, Smartphone): jeweils weniger als eine Stunde, ein bis drei Stunden, oder mehr als drei Stunden?

Ihr Kind wird von Kopf bis Fuß untersucht. Dabei wird besonders auf Karies, Zahnlücken, Zahnfehlstellungen und den Bewegungsapparat geachtet, um bei Bedarf rechtzeitig zahnärztliche, kieferorthopädische, physiktherapeutische oder orthopädische Maßnahmen einleiten zu können, zum Beispiel bei Haltungsschwäche, Wirbelsäulenverkrümmung, Beinfehlstellungen oder Plattfüßen. Auch vorzeitige Pubertätszeichen können in seltenen Ausnahmefällen bereits in diesem Alter auftreten und auf Hormonstörungen hindeuten, die eventuell behandelt werden müssen. Chronische Krankheiten wie Asthma oder Neurodermitis sind in diesem Alter meist bekannt und fallen nur selten erst durch eine Vorsorgeuntersuchung auf.

Schließlich wird das Ergebnis der Vorsorge mit Ihnen besprochen. Meist wird der Arzt feststellen, dass das untersuchte Kind gesund ist. Bei Auffälligkeiten können weitere Untersuchungen oder Therapiemaßnahmen notwendig sein, die Ihnen erklärt werden. Außerdem werden Sie und Ihr Kind zu gesunder Ernährung, Karies-Vorbeugung, Bewegung, Unfallverhütung, Schutz vor Sonne und Zigarettenrauchsowie bei Bedarf zur Erziehungund zu Problemen in der Familie beraten.

Impfungen
Um die Einschulung sollte Ihr Kind eine Auffrischung seines Impfschutzes gegen Tetanus, Diphtherie und Keuchhusten bekommen haben. Sollte dies versäumt worden sein, besteht jetzt die Gelegenheit, die Auffrischimpfung mit einer Spritze nachzuholen. Auch andere, bislang versäumte oder nicht vollständig durchgeführte Impfungen können noch nachgeholt werden. Damit der Arzt dies prüfen kann, müssen Sie natürlich den Impfpass Ihres Kindes mitbringen. Die meisten Kinder-und Jugendarztpraxen prüfen auch gern die Impfpässe der übrigen Familie (Geschwister, Eltern, Großeltern etc.) auf Impflücken. Manche bieten dann selber Impfungen für erwachsene Familienangehörige an, andere verweisen auf den Hausarzt.

Informieren Sie Ihren Arzt auch über Ihre Reisegewohnheiten. In Baden-Württemberg, Bayern, Österreich, Osteuropa und sogar in Südskandinavien ist zusätzlich zu den hier üblichen Impfungen ein Impfschutz gegen FSME(Zeckenenzephalitis) erforderlich, in subtropischen und tropischen Gebieten sowie in Ländern mit Hygienemängeln (Osteuropa, Asien) eventuell auch ein Impfschutz gegen Hepatitis A.

Die nächste Vorsorgeuntersuchung U11 (oder „Paed.CheckR9.0) folgt dann im Alter von 9 bis 10 Jahren. Leider wird sie wie die U10 noch nicht von allen Krankenkassen bezahlt. Bei Mädchen werden zwei Impfungen gegen Gebärmutterhalskrebs neuerdings schon ab dem neunten Geburtstag empfohlen. Eventuell weist Ihr Arzt Sie schon bei der U10 auf dieses Impfangebot bei U11 hin–es wird erfreulicherweise von allen Krankenkassen bezahlt.

Alter

7 bis 8 Jahren

Geschlecht

Mädchen und Jungen

Verfasser und Kontakt

Dr. med. Burkhard Lawrenz, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin
E-Mail: blawrenz@t-online.de

Stand: 
18. Oktober 2016