U1-Untersuchung

U1-Untersuchung

Die U1 wird sofort nach der Geburt von der betreuenden Hebamme oder dem anwesenden Frauenarzt durchgeführt. In besonderen Situationen (z. B. Frühgeburt, Kaiserschnitt, Krankheit der Mutter während der Schwangerschaft oder Verdacht auf Erkrankungen des Ungeborenen) ist manchmal ein Kinder- und Jugendarzt bei der Geburt anwesend und macht dann die U1.

Bei der U1 wird beobachtet und überwacht, wie das Neugeborene sich an die neue Situation außerhalb des Mutterleibs anpasst und ob es dabei Hilfe braucht. Die Bindung zwischen Mutter und Kind soll gefördert und – wenn möglich und gewünscht – das Stillen angebahnt werden. Außerdem wird untersucht, ob das Baby während der Geburt Sauerstoffmangel hatte, ob Geburtsverletzungen oder Fehlbildungen erkennbar sind und wie groß und schwer es ist.

Vor der Geburt wird Ihr Baby von Ihnen über den Mutterkuchen und die Nabelschnur mit Sauerstoff versorgt; Atemwege und Lunge sind voll Fruchtwasser. Bei einer normalen Geburt wird der Brustkorb zusammengedrückt und das Fruchtwasser aus der Lunge gepresst. Nach der Geburt muss das Kind anfangen zu atmen, um sich so selber mit Sauerstoff zu versorgen. Das tut es mit dem ersten Schrei. Erst dadurch stellt sich der gesamte Kreislauf um. Während das Baby immer regelmäßiger atmet und sich immer kräftiger bewegt, hört die Nabelschnur langsam auf zu pulsieren, und die anfangs bläuliche Hautfarbe wird rosig. Manchmal braucht das Neugeborene für diese Anpassung nach der Geburt Hilfe: vielleicht müssen noch Reste von Fruchtwasser aus Mund und Nase abgesaugt werden, oder das Kind wird durch Streicheln oder Massieren zum Schreien und Bewegen angeregt. Manchmal muss auch etwas Sauerstoff zur Atemluft zugegeben werden, oder das Neugeborene braucht eine kurze Beatmung mit Sauerstoff über eine Nase-Mund-Maske.

Während der Anpassungsphase werden Atmung, Herzschlag, Hautfarbe, Muskel-spannung und Reaktionen des Neugeborenen 5 und 10 Minuten nach der Geburt mit einem Punktesystem bewertet. Es gibt 0 bis 10 Punkte; je mehr Punkte, desto besser geht es dem Kind (umgekehrt wie bei den Schulnoten). Normalerweise werden nach 10 Minuten 8 bis 10 Punkte erreicht. 5 Minuten nach der Geburt gibt es nur selten 10 Punkte, und Werte unter 8 können zu diesem Zeitpunkt noch normal sein.

Wenn das Neugeborene stabil atmet, wird die Nabelschnur an zwei Stellen abgeklemmt und dazwischen durchtrennt. Aus dem Nabelstumpf wird etwas Blut entnommen, um den Säuregrad zu bestimmen. Das tut nicht weh, und der Arzt kann daran erkennen, ob Ihr Baby während der Geburt phasenweise zu wenig Sauerstoff bekommen hat.

Meist kann dies alles passieren, während das Neugeborene auf dem Bauch der Mutter liegt. Das ist wichtig für die Entwicklung der seelischen Verbindung zwischen Mutter und Kind. Vielleicht sucht es auch schon nach der Brustwarze und fängt an zu nuckeln. Das macht beide glücklich und fördert die Bildung von Muttermilch.

Anschließend wird das Neugeborene auf Fehlbildungen und Geburtsverletzungen untersucht und gewogen. Auch die Körperlänge wird gemessen. Schließlich bekommt Ihr Baby das erste Mal ein Vitamin, und zwar Vitamin K. Dieses ist insbesondere in der Muttermilch zu wenig enthalten und wird für eine normale Blutgerinnung gebraucht. Wird es nicht zusätzlich gegeben, kann es in den ersten Lebenstagen und Wochen zu gefährlichen Blutungen kommen, sogar zu Hirnblutungen. Meist kann das Neugeborene das Vitamin K schon als Tropfen schlucken; Frühgeborene oder kranke Neugeborene müssen das Vitamin K eventuell als Spritze in den Oberschenkelmuskel bekommen.

Damit ist die U1 abgeschlossen; Mutter und Kind werden noch eine Weile beobachet und können dann auf die Station oder nach Hause. Eine Hebamme hilft Ihnen in den ersten Tagen mit allen Fragen im Umgang mit dem Neugeborenen, auch bei der Versorgung des Nabelstumpfes.

Die nächste Vorsorgemaßnahme ist die Blutentnahme für eine Untersuchung auf angeborene Krankheiten, die von außen nicht erkennbar sind: das sogenannte „Erweiterte Neugeborenen-Screening“. Das Blut für das Neugeborenen-Screening muss unbedingt bereits am 3. Lebenstag abgenommen werden, um seltene gefährliche Krankheiten rechtzeitig zu erkennen. Meist reicht ein kleiner Stich in die Ferse; ein paar Tropfen Blut werden auf eine Filterpapierkarte getropft und in ein Speziallabor geschickt. Sind Sie mit dem Baby noch im Krankenhaus, machen das die Kinderkrankenschwestern; sind Sie schon zu Haus, macht das Ihre Hebamme oder Ihr Kinder- und Jugendarzt.

Die nächste Vorsorgeuntersuchung beim Kinder- und Jugendarzt ist die U2; sie soll am 3. bis 10. Lebenstag erfolgen. Nur wenn sie schon am 3. Lebenstag gemacht wird, kann die Blutentnahme für das Neugebnorenen-Screening gleichzeitig erfolgen; sie darf aber keinesfalls wegen des U2-Termins auf den 4. bis 10. Lebenstag verschoben werden.

Alter

1. bis 3. Lebenstag 

Verfasser und Kontakt

Dr. med. Burkhard Lawrenz, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin
E-Mail: blawrenz@t-online.de

Stand: 
23. September 2016