J2-Untersuchung

J2-Untersuchung

Die gesetzlichen Krankenversicherungen übernehmen die Kosten für zehn Vorsorgeuntersuchungen im Kindes- und Jugendalter: U1 bis U9 sowie die J1. Einige Krankenkassen zahlen zudem auch die freiwilligen Termine U10, U11 und J2. Die J2, die letzte Vorsorgeuntersuchung vor der Volljährigkeit, können Jugendliche im Alter von 16 bis 17 Jahren wahrnehmen. Dieser Check-up soll noch einmal die allgemeine körperliche und seelische Gesundheit der Jugendlichen überprüfen.

Weiterhin sprechen Ärzte mit den Patienten über die Zukunft und fragen nach dem Berufswunsch. In diesem Zuge testen Mediziner die jungen Patienten auch auf Allergien. Da die Jugendlichen den Termin in der Regel ohne ihre Eltern wahrnehmen, fällt es vielen leichter, ihren Ärzten offen Fragen zur Pubertät und Sexualität zu stellen. Sie können mit ihnen auch Probleme mit Eltern und Freunden besprechen.

Es ist ratsam, dass Ärzte, Jugendliche und Eltern am Anschlussgespräch teilnehmen – sofern die Patienten zustimmen. Denn: Sind die Jugendlichen 16 und 17 Jahre alt, unterliegen Mediziner der ärztlichen Schweigepflicht. Die jungen Patienten haben also das Recht darauf, dass ihre Ergebnisse nur mit ihrer Zustimmung mit den Eltern besprochen werden oder wenn Gefahr für das Leben der Kinder besteht.

Die Untersuchung
Die Jugendlichen sollten zum J2-Termin ihre Versichertenkarte, das gelbe Vorsorge- und das grüne Checkheft sowie den Impfpass mitbringen.

Die Untersuchung umfasst dann folgende Bestandteile:

- Wie bei der J1 messen Ärzte Körpergröße, Gewicht sowie Blutdruck und checken den Urin und gegebenenfalls das Blut.
- Sie untersuchen die Organe und schauen, ob Haltungsstörungen vorliegen.
- Weiterhin prüfen Ärzte, ob die Jugendlichen unter Pubertäts- oder Sexualitätsstörungen leiden.
- Sie führen einen Allergietest durch und untersuchen, ob Risiken für einen Diabetes mellitus und eine Kropfbildung bestehen.
- Die Ärzte beraten bei Fragen zur Berufswahl, Problemen mit Eltern und Freuden, einer gesunden Ernährung und Sport.
- Sie überprüfen zudem den Impfstatus und frischen nötige Impfungen in Absprache mit den Eltern auf.

Im Alter zwischen 15 und 17 Jahren machen die ersten Jugendlichen ihren Schulabschluss und beginnen mit einer Berufsausbildung. Bei der Wahl des richtigen Berufs kann die Gesundheit eine wichtige Rolle spielen. Daher testen Ärzte, ob eine Allergie vorliegt. In bestimmten Berufszweigen wird beispielsweise häufig mit reizenden Stoffen gearbeitet, wie als Friseur sowie Maler und Lackierer. Weiterhin machen einige Jugendliche in diesem Alter einen Wachstumsschub, wodurch Haltungsschäden entstehen können. Auch diese können sich auf den Berufswunsch auswirken. Die Ärzte stehen den jungen Patienten dann beratend zur Seite.

Zur weiteren körperlichen Untersuchung gehört ein Ultraschall der Schilddrüse, um eine eventuelle Kropfbildung rechtzeitig zu erkennen. Ein Kropf kann unter anderem aufgrund eines Jodmangels entstehen. Aber auch eine Diabetes-Vorsorge ist Teil der J2. Denn gerade übergewichtige Kinder und Jugendliche haben ein erhöhtes Risiko, an einem Diabetes mellitus Typ 2 zu erkranken.

Zudem überprüfen Ärzte, ob Störungen der Sexualentwicklung vorliegen und besprechen mit den Jugendlichen Themen rund um Pubertät, Sexualität und Verhütung sowie Medienkonsum und Suchtneigung. Die jungen Patienten haben dann auch die Möglichkeit, offen Fragen zu stellen und Probleme anzusprechen, über die sie vielleicht mit Eltern und Freunden nicht sprechen möchten.

In der Regel lassen Eltern ihre Kinder bei der U11 oder J1 nachimpfen. Wer dies versäumt hat, kann das bei der J2 nachholen. Dabei handelt es sich um die Impfungen gegen Diphterie, Tetanus, Keuchhusten und Kinderlähmung sowie Hepatitis B, Meningokokken, Masern, Mumps, Röteln und Windpocken. Die Ständige Impfkommission des Robert Koch Instituts (STIKO) empfiehlt zudem, dass sich Mädchen gegen Humane Papillomviren (HPV) impfen lassen. Die Impfung in drei Dosen sollte vor dem ersten Geschlechtsverkehr abgeschlossen sein.

Weiteres Vorgehen
Die J2 ist der letzte Check vor der Volljährigkeit. Einige Jugendliche stecken noch mitten in der Pubertät, andere müssen sich mit Fragen um ihren Schulabschluss und ihre berufliche Zukunft auseinandersetzen. Ärzte können bei dieser Untersuchung also noch einmal den Gesundheitsstatus der jungen Patienten feststellen und auf eventuelle Erkrankungsrisiken hinweisen.

Erkennen Ärzte Auffälligkeiten, überweisen sie die Jugendlichen in der Regel zu einem Facharzt – bei Haltungsschäden zu einem Orthopäden, bei seelischen Problemen zu einem Psychologen oder bei Asthma und Allergien zu einem Pneumologen beziehungsweise Allergologen.

Bedeutung
Schätzungen zufolge nehmen nur fünf Prozent der Jugendlichen die J2 wahr. Die Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland des Robert Koch Instituts (KiGGS) zeigt, dass 6,6 Prozent der Mädchen im Alter von 14 bis 17 Jahren an Asthma bronchiale erkrankt sind und 9,2 Prozent der Jungen. Weiterhin leiden 16,6 Prozent der Mädchen im gleichen Alter an einem Heuschnupfen sowie 23,7 Prozent der Jungen. Darüber hinaus konsumieren fast 80 Prozent der Jugendlichen zwischen 14 und 17 Jahren Alkohol – etwas mehr Mädchen als Jungen.

Alter

16 bis 17 Jahren

Geschlecht

Mädchen und Jungen

Verfasser

Medienbüro Medizin (MbMed), Hamburg

Stand: 24.11.2016