J1-Untersuchung

J1-Untersuchung

Im Jahr 1998 wurde die zehnte Vorsorgeuntersuchung für Kinder und Jugendliche in den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherungen aufgenommen: die J1. Sie richtet sich an Jugendliche im Alter von zwölf bis 14 Jahren. Die Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland (KiGGS) des Robert Koch Instituts aus dem Jahr 2012 zeigt jedoch, dass nur rund ein Drittel der befragten Jugendlichen die J1 in Anspruch nehmen. Dabei ist diese Untersuchung wichtig. Ärzte können mögliche seelische und körperliche Probleme erkennen und rechtzeitig Maßnahmen ergreifen, den Impfstatus überprüfen und die allgemeine Entwicklung der Kinder checken.

Zudem ist die J1 eine gute Möglichkeit für die Jugendlichen, mit einer neutralen und fachkundigen Person, also dem Arzt, offene Fragen zu Pubertät, Sexualität, Suchtmitteln, aber auch Stress in der Schule oder sonstige Probleme zu besprechen. Diese Themen möchten Jugendliche häufig nicht mit ihren Eltern diskutieren. Daher ist die J1 auch darauf ausgelegt, dass die Jugendlichen ohne ihre Eltern zu dem Termin erscheinen – es sei denn, sie möchten Mutter oder Vater gerne dabei haben.

Grundsätzlich unterliegen Ärzte der Schweigepflicht. Diese gilt auch gegenüber Eltern – jedoch erst ab einem bestimmten Alter. Sie hängt von der Einsichtsreife der Jugendlichen ab. Das bedeutet, wenn der Patient in der Lage ist, seine gesundheitliche Situation, die Schwere seiner Krankheit und die Behandlungsmöglichkeiten selbst zu beurteilen. Das ist meist zwischen 14 und 16 Jahren der Fall.

Die Untersuchung
Geben Sie Ihrer Tochter oder Ihrem Sohn die Versichertenkarte, das gelbe Vorsorge- und das grüne Checkheft sowie den Impfpass mit zum J1-Termin.
Die Untersuchung umfasst dann folgende Bestandteile:

- Kinderärzte messen Körpergröße, Gewicht sowie Blutdruck und checken den Urin und gegebenenfalls das Blut.
- Sie untersuchen die Organe und das Skelettsystem.
- Sie überprüfen, ob eine verfrühte oder verzögerte Pubertät vorliegt.
- Die Ärzte besprechen mit den Jugendlichen Themen wie schulische und seelische Probleme, aber auch die Suchtgefahr bezüglich Medien, Zigaretten, Alkohol und Drogen.
- Sie überprüfen zudem den Impfstatus und frischen nötige Impfungen in Absprache mit den Eltern auf.

Bei der letzten Vorsorgeuntersuchung U11 im Alter von neun bis zehn Jahren gingen die kleinen Patienten noch zur Grundschule. Nun sind manche Mädchen und Jungen schon in der Pubertät oder kurz davor. Manche machen einen enormen Wachstumsschub, was eine Fehlhaltung begünstigen kann. Außerdem können eine ungesunde Ernährung und wenig Bewegung zu Übergewicht führen. Dadurch steigt das Risiko für chronische Erkrankungen wie Diabetes mellitus Typ 2 oder Bluthochdruck. Ärzte überprüfen daher auch die Blutwerte und den Urin, um eventuelle Risikofaktoren direkt aufzuspüren.

Weiterhin ist der Entwicklungsstand der Jugendlichen in diesem Alter besonders unterschiedlich. Während beispielswiese einige Mädchen bereits ihre Periode und Brüste haben, hat die Pubertät bei anderen noch gar nicht eingesetzt. Ärzte können dann auch anhand von Blutanalysen schauen, ob die Entwicklung normal verläuft oder eine vorzeitige oder verzögerte Pubertät vorliegt – und wo die Ursachen dafür liegen.

Die Pubertät ist auch eine Phase, in der Jugendliche viele Fragen haben. Meist geht es dabei um Themen, die sie nicht gerne mit ihren Eltern besprechen. Bei ihren Ärzten erhalten sie ehrliche und fachkundige Antworten, zum Beispiel zu einer sicheren Verhütung, der ersten Periode, aber auch zu seelischen Probleme wie Stress in der Schule oder mit den Eltern.

Zudem führen Ärzte einen Impf-Check-up durch. Wer sich noch nicht bei der U11 hat nachimpfen lassen, sollte jetzt die Impfungen gegen Diphterie, Tetanus, Keuchhusten und Kinderlähmung auffrischen. Das gilt auch für Hepatitis B, Meningokokken, Masern, Mumps, Röteln und Windpocken. Außerdem sollten Mädchen sich gegen Humane Papillomviren (HPV) impfen lassen, die Gebärmutterhalskrebs auslösen können.

Weiteres Vorgehen
Ziel der Untersuchung ist, den allgemeinen Gesundheitszustand der Jugendlichen zu erfassen und, wenn notwendig, entsprechende Maßnahmen zu ergreifen. Die Ärzte sprechen mit den Patienten über einen gesunden Lebenswandel und klären über die Wirkung von Alkohol, Zigaretten und Drogen, aber auch über Verhütung auf.

Wenn nötig können Ärzte den Jugendlichen weitere Informationen sowie Adressen von Selbsthilfegruppen und anderen Institutionen an die Hand geben oder sie an Fachärzte und Psychologen überweisen.

Bedeutung
Die Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland (KiGGS) des Robert Koch Instituts (Stand: Juli 2014) zeigt:
- Im Alter von elf bis 13 Jahren zeigen 29,5 Prozent der Jungen und 16,7 Prozent der Mädchen psychische Auffälligkeiten.
- Bei den 14- bis 17-Jährigen sind es 17,8 Prozent der Jungen und 17,9 Prozent der Mädchen.
- 54,4 Prozent der Jugendlichen zwischen elf und 17 Jahren haben schon einmal Alkohol getrunken; 11,5 Prozent führen regelmäßig Rauschtrinken durch.
- Nach eigenen Angaben wurden 52,6 Prozent der 14- bis 17-Jährigen Mädchen jemals gegen HPV geimpft; 39,5 Prozent haben alle drei notwendigen Dosen erhalten.

Alter

13 bis 14 Jahren

Geschlecht

Mädchen und Jungen

Verfasser

Medienbüro Medizin (MbMed), Hamburg

Stand: 22.11.2016