Hautkrebs-Screening

Hautkrebs-Screening

Das Screening dient zur Früherkennung von Hautkrebs: Malignes Melanom ("schwarzer Hautkrebs"), Basallzellkarzinom und Spinozelluläres Karzinom (beide "weißer Hautkrebs"). Es sollte immer von einem Hautfacharzt durchgeführt werden.

Früh erkannt ist Hautkrebs zu nahezu 100 Prozent heilbar. Ziel des Screenings ist es, die Heilungschancen zu erhöhen, den Hautkrebs schonender behandeln zu können und damit die Lebensqualität zu verbessern. Durch gezielte Aufklärung über die Risiken von UV-Strahlung, die geeigneten Schutzmaßnahmen und die familiäre Belastung soll die Zahl der Hautkrebserkrankungen verringert werden.

Die Untersuchung

Die Untersuchung umfasst folgende Bestandteile:
- gezielte Anamnese (z.B. Fragen nach Veränderungen der Haut, Beschwerden und Sonnenbrände in der Vergangenheit sowie familiäre Belastungen im Bezug auf Hautkrebs)
- visuelle (mit bloßem Auge), standardisierte Ganzkörperinspektion der gesamten Haut einschließlich des behaarten Kopfes und aller Körperhautfalten inklusive Genitalbereich. Auch die Augen, Ohren und die Mundhöhle werden genau inspiziert.
- Befundmitteilung mit anschließender Beratung
- Im Falle eines verdächtigen Befundes verfügt ihr/ihre Facharzt/Fachärztin für Haut- und Geschlechtskrankheiten (Dermatologe/Dermatologin) über weitere Untersungungsmethoden, um den Befund einzuordnen. Hier können eventuell zusätzliche Kosten entstehen, die nicht von der gesetzlichen Krankenversicherung getragen werden.

Planen Sie für die gesamte Untersuchung etwa eine Viertelstunde ein, kommen sie ohne Make-up und Nagellack und mit offenem Haar zum Termin. Die Kosten für das Screening übernehmen die Krankenkassen. Wie bei anderen gesetzlichen Krebsfrüherkennungsuntersuchungen wird über die Versichertenkarte abgerechnet.

Was sollten Sie darüber wissen? Beschwerden.
Der Begriff „Screening“ kommt aus dem Englischen und bedeutet so viel wie „Filteruntersuchung“. Ein Screening soll Vorstufen, Frühstadien und Risikofaktoren einer Erkrankung feststellen. Screenings richten sich an gesunde Personen.

Hautkrebs kann am ganzen Körper entstehen und nicht nur an Stellen, die besonders der Sonne ausgesetzt sind.  Deswegen wird beim Hautkrebs-Screening die gesamte Haut gründlich untersucht. Es ist wichtig bösartige Veränderungen so frühzeitig zu erfassen, dass sie noch keine Bedrohung für das Leben darstellen. Denn eine bösartige Neuerkrankung beim Spinozellulären Karzinom, Basalzellkarzinom und Malignen Melanom in der Epidermis kann, solange sie sich in dieser obersten Hautschicht (‚in situ‘) befindet, einfach herausoperiert und so geheilt werden. Werden ‚in situ‘-Karzinome erkannt und behandelt, gehen sie erst gar nicht in ein invasives Stadium über.

Keine Untersuchungsmethode ist zu 100 Prozent verlässlich. Trotz der gewissenhaften und gründlichen Untersuchung kann es vorkommen, dass eine auffällige Hautveränderung nicht entdeckt wird. Es ist aber auch möglich, dass ein Hautkrebs entdeckt und behandelt wird, der Sie eventuell in Ihrem weiteren Leben nicht belastet hätte.  Die möglichen persönlichen Beeinträchtigungen durch eine solche „Überdiagnose“ und daraus resultierender "Übertherapie" sind jedoch nach Expertenmeinung als gering einzuschätzen gegenüber den Vorteilen einer Früherkennung.

Stellen Sie an ihrem Körper neu aufgetretene oder sich verändernde Hauterscheinungen (insbesondere Muttermale) fest, so gilt für eine erste, persönliche Einschätzung die sog. ABCDE-Regel:

- A wie Asymmetrie: Ist das Muttermal rund? 
- B wie Begrenzung: Ist das Muttermal regelmäßig begrenzt oder besitzt es Ausläufer? 
- C wie Kolorierung: Wie viele verschiedene Farben besitzt das Muttermal? 
- D wie Durchmesser: Ist das Muttermal größer als 0,5 cm? 
- E wie Erhabenheit und Evolution: Ragt das Muttermal über das Hautniveau hinaus? Hat es sich innerhalb kurzer Zeit (in den letzten 3 Monaten) verändert?

Diagnose
Als wegweisendes Diagnoseverfahren haben sich die Auflichtmikroskopie und die Videographie etabliert. Daneben kommt aber auch die Sonographie zum Einsatz. In komplizierteren Fällen werden jedoch unter Umständen zusätzliche Informationen benötigt, um eine exakte klinische Diagnose zu erhalten. Sofortige Ergebnisse auf Grundlage objektiver Diagnosedaten, die mit anderen Verfahren nicht zur Verfügung stehen würden, liefert Nevisense. Bei der Nevisense-Methode werden mithilfe kleiner elektrischer Impulse Zellunregelmäßigkeiten unterhalb der Hautoberfläche erkannt. Die Zuverlässigkeit wurde 2014 in der weltweit größten Studie ihrer Art zur Melanomerkennung nachgewiesen. Nevisense ist sicher und schmerzlos. Die Untersuchung dauert nur wenige Minuten und kann in die normale Vorsorgeuntersuchung problemlos integriert werden. Bei der Untersuchung wird eine stempelförmige Elektrode pro Muttermal zweimal auf die Haut gedrückt. Das Ergebnis steht sofort zur Verfügung. Auf dem Bildschirm wird die Messung in Form einer Skala angezeigt, die den Grad der Atypie anzeigt. Damit ist eine auf verlässlichen Fakten beruhende Entscheidung möglich. Diese genauere Messung Ihres Leberflecks erspart Ihnen möglicherweise unnötige operative Eingriffe und senkt die Gefahr, dass ein potenzielles Melanom übersehen wird. Diese genannten Verfahren sind nicht Bestandteil des Screenings und müssen von gesetzlich versicherten Patienten selbst getragen werden.

Therapiemöglichkeiten
Die Wahl des Behandlungsverfahrens hängt von der exakten Beurteilung der Hautveränderungen ab und damit von der Erfahrung und Qualifikation des Dermatologen.  Für den Fall, dass auch mit den oben genannten Methoden eine Gutartigkeit nicht mit absoluter Sicherheit nachzuweisen ist, muss eine histologische Untersuchung mittels Probebiopsie oder Exzision in lokaler Betäubung folgen. Bei unklaren Befunden sollte man mit einer endgültigen Abklärung nicht warten! Nach heutigem wissenschaftlichem Stand ist die rechtzeitige Entfernung suspekter Hautveränderungen die einzig richtige Therapieform. Die Angst, dass hierdurch erst ein maligner Verlauf provoziert werden kann, ist vollkommen unbegründet und eine Vorstellung aus früheren Zeiten.

Operative Behandlung
Die meisten bösartigen Hautveränderungen werden operativ entfernt. Dies liegt zum einen daran, dass eine feingewebliche Untersuchung (med. Histopathologie) unbedingt erforderlich ist, um definitiv einen Krebs auszuschließen bzw. um im Falle einer malignen Wucherung eine geeignete Therapie anbieten zu können. Zum anderen lässt sich nur am gefärbten Gewebeschnitt feststellen, ob die Entfernung eines Tumors gänzlich erfolgt ist. Bei jeder Tumoroperation mit der Zielsetzung, den Patienten zu heilen, gilt: Der Tumor muss vollständig und ohne noch so kleinen Geweberest beseitigt werden. Um dies sicherzustellen, muss manchmal auch eine größere Hautpartie entfernt werden. In jedem Falle wird sich der Operateur bemühen, vor allem im Gesicht möglichst ein ästhetisch einwandfreies Operationsergebnis zu erzielen.
Üblich ist die Entnahme einer Probebiopsie zur histologischen Sicherung oder die ambulante Entfernung des gesamten Areals in örtlicher Betäubung. Anschließend wird die Hautveränderung entfernt und eingeschickt. Die Wunde wird verschlossen und mit einem Verband versehen. Bereits am nächsten Tag können Sie wieder duschen. Sportliche Aktivitäten sollten sich jedoch – je nach Größe der Operation – in Grenzen halten. Nach 8 - 12 Tagen werden die Fäden entfernt. Bis dahin ist dann auch das Ergebnis der feingeweblichen Untersuchung vorhanden.

Photodynamische Therapie
Eine neue Methode zur Behandlung von oberflächlichem Weißen Hautkrebs (med. Basaliomen) oder aktinischen Praekanzerosen ist die Photodynamische Therapie (PDT). Diese eignet sich für Tumore, die nicht zu tief in die Haut eindringen. Hierunter fallen z. B. die Aktinische Keratose als Vorstufe des Spinozellulären Karzinoms und rein oberflächlich wachsende Basaliome. Im Gegensatz zur operativen Behandlung beseitigt die PDT schnitt- und damit auch narbenfrei bestimmte Hautkrebs-Arten und Hautkrebs-Vorstufen.

Verbreitung
Hautkrebs ist die weltweit am häufigsten auftretende Krebserkrankung. Nach einer aktuellen Hochrechnung des Krebsregisters Schleswig-Holstein erkrankten im Jahr 2012 allein in Deutschland etwa 264.000 Personen neu daran. Die Tendenz ist steigend - in Deutschland und auch weltweit.

Seit Juli 2008 haben gesetzlich Versicherte ab 35 Jahren alle zwei Jahre einen Anspruch auf eine Früherkennungsuntersuchung auf Hautkrebs, das so genannte „Hautkrebs-Screening“. Nach Hochrechnungen haben seit der Einführung bereits über 13 Millionen Versicherte an der Untersuchung teilgenommen.

Über 40.000 Ärzte haben sich für das Screening qualifiziert. Eine Untersuchung ist somit wohnortnah möglich.

Alter

ab dem Alter von 35 Jahren

Geschlecht

Frauen und Männer

Häufigkeit

Alle zwei Jahre

 

Verfasser und Kontakt

Dr. Christoph Liebich
DERMATOLOGIE • ÄSTHETIK • GANZHEITLICHE THERAPIE
info@dermazent.de • Telefon: (089) 26 58 63 • www.dermazent.de

Stand:
05. September 2016