Dickdarm- und Rektumuntersuchung

Dickdarm- und Rektumuntersuchung

Bei einer Tastuntersuchung des unteren Enddarmabschnitts können Ärzte gutartige Ausstülpungen, sogenannte Polypen, sowie Krebsgeschwüre finden. Die Untersuchung führen hauptsächlich Urologen und Gynäkologen durch. Ebenso erfolgt eine Untersuchung des Stuhls auf verstecktes, mit bloßem Auge nicht sichtbares Blut. Die wichtigste Untersuchung zur Darmkrebsfrüherkennung ist jedoch die Darmspiegelung (Koloskopie).

Darmkrebs ist vermeidbar, wenn Ärzte Polypen früh erkennen und im Rahmen der Koloskopie entfernen. Bleiben sie unentdeckt, können sich aus manchen Polypen bösartige Tumore entwickeln. Das passiert jedoch nicht von heute auf morgen – es können mehrere Jahre oder sogar Jahrzehnte vergehen, bis die Zellen sich verändern. Je früher Ärzte also Vorstufen von Darmkrebs, entdecken, desto besser sind die Heilungschancen.

Tastuntersuchung (digital-rektale Untersuchung)
Der Arzt führt einen Finger in den After ein und tastet die Darmwand des unteren Enddarmabschnitts ab. Für ein leichteres Einführen bringt er Gleitgel auf den Handschuh auf. Damit der Schließmuskel locker ist, nehmen Sie eine möglichst entspannte Haltung ein. Dafür liegen Sie entweder mit angewinkelten Beinen auf der Seite in der sogenannten Embryostellung oder knien vornübergebeugt auf der Liege. Die Untersuchung dauert insgesamt nur wenige Minuten.

Auf diese Weise können Ärzte Veränderungen in der Wand des Enddarms ertasten, wie:
- gutartige Gewebsveränderungen
- Vorstufen von Darmkrebs
- bösartige Tumore

Ergänzend zu der digital-rektalen Untersuchung wird der Stuhl auf Blut analysiert. Spätestens ab April 2017 bezahlen die gesetzlichen Krankenkassen ein neues Testverfahren, den immunologischen Stuhltest (iFOBT). Der Test reagiert ausschließlich auf den menschlichen roten Blutfarbstoff (Hämoglobin). Dies bedeutet, dass iFOBTs nicht durch tierische Nahrungsbestandteile wie rotes Fleisch, das nicht ausreichend gekocht wurde, verfälscht werden. Vergleichende Untersuchungen haben gezeigt, dass immunologische Stuhltests Darmkrebs und dessen Vorstufen besser entdecken können als der die bisher verwendeten Guajak-basierten Stuhltests (gFOBT).

Ein positives Ergebnis sagt erst einmal nur aus, dass Blut im Stuhl vorhanden ist. Doch nicht immer steckt Darmkrebs dahinter. Auch entzündliche Darmerkrankungen und kleine Verletzungen wie Fissuren und Hämorrhoiden können Blutungen verursachen. Wenn Sie selbst Blut im Stuhl entdecken, sollten Sie unabhängig von den regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen abklären lassen, woher es stammt. Der Hausarzt ist dann der erste Ansprechpartner. Er entscheidet, ob er Sie für weitere Untersuchungen zu Fachärzten (Gastroenterologen) überweist.

Diagnose
Wenn Ärzte bei einer Rektumuntersuchung Polypen ertasten oder der Stuhltest positiv ist, ist eine weitere Abklärung erforderlich. Dafür führen Ärzte eine Darmspiegelung durch. Sie untersuchen den gesamten Dick- und Enddarm mit Hilfe eines Endoskops, das in den After eingeführt wird. Das fingerdicke Instrument ist mit einer Kamera am vorderen Ende ausgestattet, worüber die Ärzte das Innere des Darms inspizieren können. Auf diese Weise erkennen sie Entzündungen, Geschwüre und Polypen. Während der Darmspiegelung entnehmen Ärzte zudem Proben von auffälligem Gewebe. Diese werden feingeweblich (histologisch) untersucht. Das weitere Vorgehen richtet sich dann nach dem Untersuchungsergebnis.

Therapiemöglichkeiten
Sobald die Diagnose Darmkrebs feststeht und Ärzte das Ausmaß der Krebsausbreitung genau bestimmt haben, besprechen sie mit Ihren Patienten das weitere Vorgehen. Krebsvorstufen und sehr kleine, oberflächliche Tumore können Ärzte in der Regel endoskopisch entfernen. Dies geschieht meist direkt während der Darmspiegelung. Wenn Ärzte Polypen entfernt haben, ist es ratsam, dass Sie nach einer gewissen Zeit noch einmal eine Darmspiegelung vornehmen lassen.

Wenn der Krebs bereits weiter vorangeschritten ist, entfernen Ärzte das Tumorgewebe in der Regel operativ. Wie umfangreich der Eingriff ist, hängt von der Größe des Tumors ab und davon, wie tief er in die Darmwand vorgedrungen ist. Je nach Lage des Tumors (im Dickdarm oder im Enddarm) und nach dem Ausmaß der Ausbreitung kommen auch eine Strahlen- und/oder Chemotherapie zum Einsatz.

Verbreitung
Trotz des Angebots zur Früherkennung stellt Darmkrebs in Deutschland derzeit die dritthäufigste Tumorerkrankung dar. Die Gesellschaft der epidemiologischen Krebsregister in Deutschland e.V. und das Zentrum für Krebsregisterdaten im Robert Koch Institut schätzen, dass 2016 33.400 Männer und 27.600 Frauen an Darmkrebs erkranken. Deutschland liegt damit bei den Neuerkrankungsraten im internationalen Vergleich mit an der Spitze.

Nach Angaben des Deutschen Krebsforschungszentrums geht die Zahl der Neuerkrankungen seit 2008 leicht zurück. Experten vermuten, dass dies insbesondere auf die Darmspiegelung zurückzuführen ist.

Alter

im Alter von 50 bis 54 Jahren

Geschlecht

Frauen und Männer

Häufigkeit

Dickdarm- und Rektumuntersuchung: Jährlich.

Immunologischer Stuhltest: Jährlich zwischen 50 und 55 Jahren, ab 55 Jahre alle zwei Jahre.

Verfasser

Medienbüro Medizin (MbMed), Hamburg
Fachlich geprüft durch das Deutsche Krebsforschungszentrum

Stand: 28.11.2016