Darmspiegelung

Darmspiegelung

Die Darmspiegelung, auch Koloskopie genannt, gilt als Standardmethode, um einen Darmkrebsverdacht abzuklären oder andere Darmerkrankungen wie Morbus Crohn zu erkennen. Erfahrene Gastroenterologen führen die Untersuchung durch. Sie inspizieren die Darmschleimhaut mit Hilfe eines Koloskops, einem biegsamen Schlauch mit Lichtquelle und kleiner Kamera am Vorderende. Auffällige Schleimhautveränderungen können direkt während der Untersuchung entfernt werden.

Laut der des Deutschen Krebsforschungszentrums entstehen fast alle Darmtumoren aus gutartigen Vorstufen, sogenannten adenomatösen Polypen oder Adenomen. Je früher Ärzte diese Gewebsveränderungen entdecken, desto besser sind die Heilungschancen. Kleine Polypen und Adenome verursachen jedoch keine Beschwerden, weshalb Ärzte sie erst bei einer Darmspiegelung entdecken. Die Koloskopie ist eine effektive Möglichkeit, um Darmkrebs vorzubeugen.

Untersuchung
Damit Ärzte das Innere des Darms richtig untersuchen können, muss er komplett von Speise- und Stuhlresten befreit sein. Nehmen Sie sich daher am besten zwei Tage frei. Denn am Tag vor der Untersuchung müssen Sie ein Abführmittel einnehmen und sehr viel trinken. Die gesamte Darmspiegelung dauert etwa 20 Minuten. Die Untersuchung ist schmerzarm, einige Menschen empfinden sie jedoch als unangenehm. In der Regel erhalten Sie ein Beruhigungsmittel oder eine Kurznarkose, wodurch Sie in einen leichten Dämmerschlaf versetzt werden.

Bei einer Darmspiegelung führen Ärzte ein Koloskop, einen dünnen, biegsamen Schlauch, in den After ein und schieben ihn langsam durch End- und Dickdarm bis in den Endabschnitt des Dünndarms vor. Dabei wird vorsichtig Luft in den Darm geblasen, damit er sich ausdehnt und die Ärzte alle Bereiche gut einsehen können. Am vorderen Ende des Koloskops befinden sich eine kleine Kamera sowie eine Lichtquelle. Über einen Monitor können Ärzte das Innere des Darms sehen. Nun ziehen sie das Koloskop langsam zurück und betrachten dabei sorgfältig die komplette Darmschleimhaut. Der Kamerakopf kann in alle Richtungen bewegt werden, so dass Ärzte auch wirklich jeden Zentimeter des Dick- und Enddarms inspizieren können.

Zusätzlich besitzt das Koloskop eine Spülvorrichtung und einen Kanal, durch den Ärzte kleine Instrumente wie spezielle Schlingen oder Zangen einführen können. Damit entnehmen sie schon während der Darmspiegelung bei Bedarf Polypen und Gewebeproben.

In sehr seltenen Fällen treten Komplikationen wie Blutungen auf. Der Nutzen dieser Früherkennungsuntersuchung überwiegt laut des Deutschen Krebsforschungszentrums jedoch die Risiken. 

Diagnose
Bei Verdacht auf Darmkrebs ist die Darmspiegelung (mit Entnahme einer Gewebeprobe) eine relativ sichere Methode, um festzustellen, ob eine Tumorerkrankung vorliegt. Sie erfolgt beispielsweise immer dann, wenn Ärzte bei einer Austastung des unteren Enddarmabschnitts auf Veränderungen in der Darmwand gestoßen sind oder ein Stuhltest positiv war, sprich Blut im Stuhl nachgewiesen wurde.

Das während der Darmspiegelung entnommene Gewebe wird von spezialisierten Ärzten (Pathologen) feingeweblich untersucht. Denn erst unter einem Mikroskop kann man erkennen, ob bereits Krebszellen vorhanden sind. Nur mit Hilfe dieser Untersuchung ist eine genaue Diagnose möglich.

Doch Ärzte können mit Hilfe der Darmspiegelung nicht nur Polypen und Darmkrebs entdecken, sondern auch

- chronisch entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn,
- Divertikulose oder Divertikulitis – also Ausstülpungen der Darmwand
- sowie Entzündungen und Durchblutungsstörungen in der Darmwand.

Therapiemöglichkeiten
Polypen entfernen Ärzte bereits während der Darmspiegelung mit Hilfe einer kleinen Schlinge. In der Regel erfolgt dann nach einer gewissen Zeit eine erneute Darmspiegelung. So können Ärzte sichergehen, dass sich keine neuen Polypen gebildet haben oder bei Bedarf weitere Gewebsveränderungen entfernen.

Wenn bei der Gewebsanalyse Krebszellen gefunden wurden, erfolgt meist eine Operation. Sie ist die wichtigste Behandlungsmethode bei Darmkrebs. Die Ärzte entfernen dabei den Tumor sowie angrenzende Lymphknoten und eventuelle Tochtergeschwulste, um zu verhindern, dass sich der Krebs weiter ausbreitet.

Bei einem Kolonkarzinom entfernen Ärzte die rechte oder linke Seite des Dickdarms. In vielen Fällen können sie den Darm so wieder herstellen, dass die Funktion nicht beeinträchtigt ist und Betroffene keinen künstlichen Darmausgang benötigen. In Abhängigkeit vom Tumorstadium erhalten Betroffene ergänzend eine Chemotherapie. Dadurch sollen eventuell im Körper verbliebene Tumorzellen abgetötet und ein Rückfall verhindert werden.

Wenn sich ein Tumor im Enddarm befindet, sprechen Mediziner vom Rektumkarzinom. Auch hier entfernen sie den Tumor operativ. Zusätzlich erhalten die meisten Betroffenen vor der Operation eine Strahlen- oder Strahlenchemotherapie. So können große Tumore verkleinert und leichter entfernt werden. Liegt der Tumor sehr nahe am Schließmuskel, kann es sein, dass Ärzte im Zug der Operation einen künstlichen Darmausgang schaffen müssen.

Verbreitung
Darmkrebs stellt in Deutschland die dritthäufigste Krebserkrankung dar – trotz effektiver Vorsorgeuntersuchungen. Männer erkranken durchschnittlich mit 72 Jahren an Darmkrebs, Frauen mit 75.

Durch die Einführung der Darmspiegelung als Teil der gesetzlichen Krebsfrüherkennung konnten zwischen 2003 und 2010 bundesweit fast 100.000 Fälle von Darmkrebs verhindert und knapp 55.000 Fälle in einem frühen, heilbaren Stadium entdeckt werden (Deutsches Krebsforschungszentrum, Pressemitteilung vom 19.11.2010).

Alter

ab dem Alter von 55 Jahren

Geschlecht

Frauen und Männer

Häufigkeit

zwei Untersuchungen im Abstand von 10 Jahren

Verfasser

Medienbüro Medizin (MbMed), Hamburg
Fachlich geprüft durch das Deutsche Krebsforschungszentrum

Stand: 28.11.2016